Manja von den UPPERCUTS im Interview

Hallo Manja, super, dass du Zeit hast mir hier in der Interview-Reihe ein paar Fragen zu beantworten. Ich suche immer mal wieder nach einer Frau in einer Oipunk/Streetpunk Band. Erzähl mal, wie du so zur Musik gekommen bist, hast du vor UPPERCUTS schon in anderen Bands gespielt? Wie ist deine musikalische Sozialisationntro

Nach dem Start der Reihe GRRRLZ* TO THE FRONT mit dem Interview mit Mia von Oi!ronie freue ich mich total jetzt mit Manja nochmal eine Sängerin einer Oi Street Punk Band dabei zu haben, diesmal von den UPPERCUTS aus Berlin. Wenn alles gut geht übrigens nächsten Freitag am 1. Oktober im AJZ Neubrandenburg mit Snob City Boys und TortenSchlacht zu sehen. Kann aus Erfahrung sagen, dass sich ein Live Konzert mit UPPERCUTS auf jeden Fall lohnt, also hin da.

Hallo Manja, super, dass du Zeit hast mir hier in der Interview-Reihe ein paar Fragen zu beantworten. Ich suche immer mal wieder nach einer Frau in einer Oipunk/Streetpunk Band. Erzähl mal, wie du so zur Musik gekommen bist, hast du vor UPPERCUTS schon in anderen Bands gespielt? Wie ist deine musikalische Sozialisation?

Hi Chrissi, erstmal vielen Dank, dass Du mich in Deine Reihe mit einschließt.

Also, ich war schon immer musikalisch interessiert und als ich klein war, versorgte mich mein Vater mit grandiosen MixTapes der neuesten Hits, alles mögliche, Querbeet. Später ging ich öfter ins Knaak, immer mittwochs zum Tanz bei DJ Fossi, wo alles in Richtung Gitarrenmukke gespielt wurde und wir oft die Nacht zum Tag werden ließen. Das hat mich sicherlich auch stark beeinflusst.

Naja, und natürlich hatte auch CoreTex einen Einfluss. Einmal, beim Durchblättern der LPs im Hardcore Bereich griff ich mir die Sick Of It All Scheibe – Scratch the Surface und da kam ein Typ vom CoreTex und meinte: „coole Scheibe“. OK, man kann dem weisen „alten“ Mann ja mal vertrauen, dachte ich, denn eigentlich schrecken mich große Namen immer ab. Also hab ich mir die Scheibe gekauft und sie gehört noch heute zu meinen Lieblingsplatten, die ich immer wieder rauf und runter hören kann.

Die zweite CoreTex Erinnerung war, dass ich mit meiner Freundin Susi (Bassistin der Uppercuts) ins CoreTex gegangen bin und wir auf Slapshot gestoßen sind. Wir losten, wer welche CD kauft und so kam ich zu Sudden Death Overtime, die mich schwer begeistert hat. Als dann 16 Valve Hate rauskam, hat es mich erwischt. Und zu meinem Glück, eine gute CD gekauft zu haben, kam, dass Slapshot zu der Zeit gefühlsmäßig mehr in Berlin waren als in Boston. Ich habe die x-Mal gesehen, im SO36, im Trash, wir sind zu Auswärtsgigs gefahren… Susi und ich immer mitten drin im Mob. Damals als Mädels, soweit ich mich erinnern kann, noch ganz allein auf weiter Flur.

Zu der Zeit gab es im Trash auch Sonntags immer Sunday Hardcore Matinee, wo diverse coole HC-Bands gespielt haben, mal große Namen oder eben einfach nur Berliner HC Bands wie z.B. Breaking Free. Das waren meistens alles junge Kids, die aber schon krass Alarm gemacht haben. Respekt.

Ansonsten war ich auf diversen Konzerten und im Sommer gab es damals auch noch echt viele Straßenfesten, auf denen u.a. viele Ska Bands spielten. So erweiterte sich mein musikalischer Horizont und Ska wurde zu meiner Sommer- und Autofahrmusik.

Über die Musik kam ich mit dem Thema Skinhead in Kontakt, was genau meinen Nerv traf. Hier kam aus meiner Sicht alles zusammen, was ich meinem Leben wollte, vor allem eine breite Palette an musikalischer Unterhaltung, von Rocksteady, Northern Soul bis Punk, Oi! und Hardcore. Hier kam ich an und hier bin ich geblieben.

Sehr spannender Abriss! Hast du persönliche Vorbilder in Sachen (Frauen)-(Oi)-Punkrock? Wie viel gibts da eigentlich? Wen und warum? 

Vorbilder habe ich irgendwie nie gehabt. Ich mag Musik und singe und tanze nach allem, was ich mag, aber Vorbilder? Nein, da fällt mir niemand ein.

Aber klar, es gibt natürlich viele Bands, mit Frauen am Gesang, die ich gern höre. Avengers gehen immer. Ich hab mal ne zeltlang gern Distillers gehört. Richtig gut fand ich auch NY-Rel-X.

Worum geht es in euren Songs, woher kommt die Inspiration?

Ach, es geht um alles mögliche, den Ärger über die Entwicklung in Berlin, Ärger über Leute, die denken, mit ein paar Taler mehr in der Tasche, hat man mehr Rechte und darf all das Aufgebaute anderer einfach nehmen und in die Tonne schmeißen, um den Boden für bessere Investments frei zu haben. Dazu kommt noch ein kleines bisschen Herzschmerz und Trauer und sonstige Abhandlungen, von Dingen, die uns nerven oder zumindest bewegen. Mein letzter Song handelt davon, nach vorne zu gehen, sich bemerkbar zu machen, egal welcher Minderheit man angehört, die eventuell mehr Aufmerksamkeit bedarf. Den Text zum Song hab ich nach einer online Diskussionsrunde zum Thema „Sexismus im Punk“ geschrieben, an der u.a. Mia (Oi!ronie) teilgenommen hat. Die Runde hat mich echt bewegt. Es wurden sehr emotionale und traurige Geschichten erzählt, total spannend zugleich und das ganze Thema war echt interessant. Hier gibt es offensichtlich noch viel zu tun und aufzuklären. Daher danke an die Leute, die hier nach vorne schreiten, um andern die Augen zu öffnen.

Copyright: Sebastian Oskar Kroll

Was denkst du sind die Gründe dafür, dass auf den Punk Bühnen immer noch mehr Männer als FLINTA* zu sehen sind?

Also, genau kann ich das nicht beantworten, weil ich es selbst nicht verstehe. Vielleicht liegt es daran, dass die Mädels sensibler sind und mehr auf die Meinung anderer geben??? Ob durch Sozialisierung oder wie auch immer das zustande kommt. Vielleicht wird uns Mädels immer noch vermittelt, dass wir in zweiter Reihe stehen? Ich weiß es nicht. Ich für meinen Teil habe mich da nicht irritieren lassen. Ich erinnere mich, dass ich ausgelacht wurde, als ich das erste Mal am Schlagzeug saß. Und? Wo ist das Problem? Einfach mal fragen, wie das hier geht, mit diesem Ding und dann draufhauen, sich der Musik hingeben und dann kommt der Rest doch oft ganz allein… Also, take it easy, nicht gleich demotivieren lassen und Spaß Spaß Spaß an der Musik haben.

Übrigens, es gibt auch schlechte männliche Musiker, die sich dennoch ganz toll finden, weil sie zumindest z.B. die Gitarre halten können. Also, das ist der Plan für die Mädels, einfach machen, nicht zu viel über andere nachdenken und dann auf die Kacke hauen!

Und wenn ihr Ausreden braucht, dann gilt am Anfang immer das Argument: JEDER fängt mal irgendwo an. Das gilt für alle, die gerne mit der Musik anfangen wollen. Auch Mädels starten nicht als Philharmoniker. Und wenn man weiter dran bleibt, dann wird’s auch stetig besser.

Hast du als Musikerin schon mal negative Erfahrungen mit Sexismus oder Benachteiligung gemacht oder hat dir mal jemand versucht zu erklären, wie du ins Mikro singen sollst? In meiner Vorstellung begegnet frau* in Sachen Oi-Punk auch nochmal einem ganz anderen Publikum…?

Tatsächlich kam es schon vor, dass man nicht wahrgenommen wird, aber meist ist das dem Gegenüber dann, wenn es sich aufklärt, dass ich im Übrigen Teil der Band bin, etwas unangenehm. Aber auch so ein Missverständnis zaubert mir nur ein Schmunzeln ins Gesicht. Das ist jetzt auch bei Punk Konzerten nicht anders als bei Oi! Konzerten. Meistens kann ich bei blöden Sprüchen oft gut kontern und hab großen Spaß an einem kleinen verbalen Hin und Her. Poser und Typen, die auf dicke Hose machen kann ich eh nicht ernst nehmen, daher fällt es mir leicht, die Sache entspannt anzugehen.

Bezeichnest du dich als Feministin und wenn ja, was bedeutet das für dich?

Nein.

Noch immer finden pandemiebedingt nicht so richtig Konzerte statt. Kann man überhaupt planen? Und wenn ja, was habt ihr so vor demnächst?

Ach, wie immer hat auch das schlechte seine guten Seiten. Wir haben jetzt mehr Zeit für neue Songs und sind für unsere Verhältnisse sehr fleißig am Basteln neuer Songs.

Gigs lassen sich natürlich immer planen und dann heißt es abwarten, wie sich die Situation entwickelt. Wir hoffen einfach, dass wir unseren geplanten Gig im AJZ Neubrandenburg spielen können und lassen uns überraschen.

Ihr habt auch einen Live Stream Gig im Wild@Heart in Berlin gespielt, was war das für eine Erfahrung für dich?

Ach, das war super cool. Dank Lea und Uli hatten wir nach langem mal wieder einen Gig und das dann noch live im Netz. Hier natürlich auch großen Dank an Pet Rock Music für die tolle Umsetzung. Klar, vor dem Gig hatten wir alle etwas Bedenken, so ganz ohne Publikum, nur emotionslose Kameras, aber als wir im Wild at Heart ankamen, der Soundcheck mit Uli gewohnt professionell lief und wir realisierten, was wir für ein Glück haben, Musik machen zu dürfen, in unserem musikalisches Wohnzimmer, das für uns und alle anderen schon lange nicht mehr zugänglich war,… da waren wir alle sehr stolz und glücklich, dabei gewesen sein zu dürfen.

Copyright: Sebastian Oskar Kroll

Einmal selbst entscheiden: Was wäre für dich das perfekte Festival-Lineup?

Oh, das ist schwer, wie lange, eine Woche? hahaha

Also, eröffnen werden natürlich erstmal Lord James, Oi!ronie und Hateful. Bei der legendären Zauberschow werden Born to Lose, One Man Army und Voice Of A Generation aus der Kiste gezaubert. Die Lagerfeuer-Abende werden von Bones und Social Distortion untermalt. Zum Frühsport lade ich Cyanide Pills, Erotic Devices und Nasty Rumours ein und für die Zeit im Entspannungszelt dürfen The Crack und Cock Sparrer spielen.

Und weil alle dann schon wieder Energie verspüren… treffen sich Slapshot mit Agnostic Front zu einer kleinen Friedenspfeife an der Wall of Death.

Haha, das klingt auf jeden Fall nach ordentlich Abriss! Kommen wir schon zur letzten Frage: Gibt es besondere Projekte, Bands, Labels, Kollektive oder sonst irgendwas, was du unseren Leser*innen empfehlen kannst? Willst du noch etwas loswerden, was bisher nicht zur Sprache kam?

Ich kann jetzt keine großen oder kleinen Projekte hervorheben. Ich denke, es ist wichtig, dass jede Minderheit Präsenz zeigt. Das man sich nicht unterkriegen lässt und dass man einfach sein Ding macht. Seid mutig, seid kreativ und vor allem experimentierfreudig. Und nehmt euch nicht immer jede Kritik zu Herzen, denn Kritik hilft, besser zu werden.

Seid laut, seid wild und habt Respekt füreinander!

Vielen lieben Dank für das coole Interview, Manja!