Why lie? Need a new Richies Record!

RICHIES – Autumn Fall CD

Die RICHIES sind endlich mit dem langersehnten fünften Langspieler zurück auf der Karte. Lang wurde schon gemunkelt, dass da jetzt wieder was käme, aber die Fans mussten ihre Hoffnungen immer wieder enttäuscht ins Reich der Gerüchteküchen ziehen lassen. Die Band, die lange pausierte, dann sporadisch für ein oder zwei Konzerte frenetische Jubelstürme auslöste, passt einfach nicht in die gut geölten Promomaschinen des Punkrocks. Die drei Richies gehören zu den Bands, die solche auch nie nötig hatten, sondern auch so eine beachtliche Fanbase bekamen. ‚Autumn Fall‘ folgt so auch auf kein lang angekündigtes Bandjubiläum oder eine fette Tour. Aber, und das aller Liebe wegen: Ich hatte schon mächtig Angst, dass die Scheibe den noch mächtigeren Erwartungen nicht gewachsen sein würde. Dem ist aber glücklicherweise nicht so: Das Album folgt der Richies-Logik, die musikalisch irgendwo zwischen Ramones und Bangles zu liegen scheint und sich unter einem Überbau aus Monty Python und Eisenpimmel entfaltet. ‚The three Richies‘ ist gleich einmal zu Beginn eine Hymne auf die kindliche Freude am einfachen Leben und stimmt in gewohnter 1-2-3-4-Manier auf die kommenden Freuden ein. Und mit ‚If life is just a bottle of beer‘ gibt es gleich einen zuckersüßen Ohrwurm, der dem punkrock-esken Existentialismus als gangbare Spielweise des Lebens huldigt.

Die Freuden des Lebens stehen so auch im Mittelpunkt dieses Herbstwerks: Die Liebe, das Schöne und das gute Leben. So ist das Album herrlich anzuhören in seiner jugendlichen Begeisterung, die einen – wie ein Freund neulich schrieb – automatisch 25 Jahre jünger macht. Dass dieser Weg eine bewusste Alternative ist, die der ideologischen Überfrachtung ein Augenzwinkern entgegensetzt, ist immer wieder zu hören.

Überhaupt fällt einem beim Hören auf – ich glaube, das war schon immer so, nur war ich zu doof, dass zu merken -, dass die RICHIES eine unheimlich intelligente Band sind, deren Spiel mit dem Klischee auf der einen Seite so authentisch rüberkommt, um auf der anderen Seite so klare Statements zu setzen. Bestes Beispiel dafür ist der Text von ‚Jihad in Jalalabad‘, in dem der Glaubenskrieg in seiner Sinnlosigkeit als sinnlos entlarvt wird, indem er dem sinnlosen Leben unserer Protagonisten entgegengestellt wird und trotzdem noch einen doppelten Boden hat: You love the Sharia. We love Blondie and Blondie loves Maria.

Und wem das eigentlich alles egal ist, dem sei gesagt, dass das neue Album genauso viel Spaß macht, wie die Vorgänger: Tolle einfache Melodien, Abwechslung und alles, was das Herz sonst so begehrt.

www.richies.eu

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