DIE TOTEN HOSEN – FAN-FICTION

von Ferdinand Führer und Roland van Oystern
Teil 1: Zwischen den Welten
Campino betritt den Proberaum. Er geht zum Mikrophon und setzt an zur typischen Campino-Gesangspose mit Sprungspagat. Alle schauen ihn entgeistert an und verweisen ihn auf seinen Platz am Schlagzeug. Was ist passiert?
„Was soll ich denn am Schlagzeug?“, sagt Campino.
„Na, du bist doch unser Schlagzeuger“, sagt Andi. „Kuck hier, unser Tourposter, da sieht man dich ganz klar am Schlagzeug sitzen.“
„Aber wenn ich der Schlagzeuger bin, wer ist dann der Sänger?“
Breiti, der sich bisher recht ruhig verhalten hat, tritt aus dem Schatten und schaut Campino tief in die Augen: „Ich, Breiti. Ich bin der Sänger. Ich schreibe auch die Texte. Die sind für Fußball und gegen Faschismus.“
„Stabil“, denkt Campino, und stürzt aus dem Proberaum. Verletzt und wütend rennt er durch den Regen. Zu Hause angekommen teilt ihm seine Frau mit, dass er morgen zur Arbeit gehen muss. Als Gabelstaplerfahrer. „Das kann doch nicht sein! Die Toten Hosen sind doch eine berühmte Rockband.“
Die Frau sagt: „Mitnichten. Das wärt ihr wohl gerne. Ein paar bessere Gitarrenständer seid ihr. Hier, dein Sohn, auf den sollst du jetzt aufpassen.“
Die Frau drückt ihm ein schreiendes Baby in die Hand. Campino hat gerade überhaupt keinen Bock, auf das Baby aufzupassen. Er denkt nach. Was ist das Letzte, woran ich mich erinnern kann? Ich meine, als ich noch der berühmte Sänger Campino war. Wir waren gerade auf Tour in Südamerika. Ich wollte eigentlich nur in den Backstageraum gehen, um ein Altbier zu stürzen. Vielleicht war das Altbier verzaubert.
Kann man jetzt im Nachhinein nicht mehr sagen.
Campino legt das Baby zur Seite. Verletzt und enttäuscht rennt er wieder durch den Regen. Er sieht sein Gesicht in einer Pfütze. Es ist der 64 Jahre alte Campino. Ich muss die Toten Hosen auch hier berühmt machen, denkt er, in dieser andersartigen Welt. Kann ich das jetzt noch schaffen?
Und dabei meiner Rolle als Vater gerecht werden?
Campino ballt die Faust und starrt in den düsteren, von Blitzen durchzuckten Himmel. Aber so allein er sich auf fühlen mag in diesem Moment: Er ist es nicht.
Im Gebüsch gegenüber kauert eine Gestalt, die ihn bereits seit einigen Minuten beobachtet.
.

