Schrottgrenzes neues Album ‚Alles zerpflücken‘

Schrottgrenze überschreiten selbige – und ich muss alles zerpflücken:

Schrottgrenze definieren hier ein neues Genre: queeren Diskurs-Schlager. Eingeschlagen hatten sie diesen Weg schon mit dem „Glitzer auf Beton“-Album und da mit „Sterne“ ja auch schon eine CSD-Pop-Hymne geschrieben, die mir wirklich gefällt und viel positive Energie versprüht. Zudem hatte der Vorgänger ein paar weitere echte Hits wie „Ostern“, „Lashes to lashes“ und „Dulsberg“.

Tja, und wenn ein Review so beginnt, dann regiert diese Einleitung den folgenden Verriss. Leider, denn die Jungs zählen zu denen, die ich hoffte, nie verreißen zu müssen. Aber das Album geht mir unfassbar auf den Sack: Allein schon, dass mit „Life is queer“ ein müder Abklatsch von „Sterne“ durch seinen Ohrwurm-Refrain noch Wochen im Ohr bleibt, sorgt für Aggression bei mir. Allein der Versuch, das mit Troopers „Die Mädchen, das Bier, all die Schätze hol ich mir“ zu bekämpfen, kann hier kurz Linderung schaffen. Aber eben nicht nachhaltig. Der Rest ist schnell erzählt: „Traurige Träume“ ist das erträgliche Lied auf auch dem Sookee mitträllert. Ansonsten wechseln sich queere Kalendersprüche wie ‚Love is love and knows no gender‘ und gruselige Liebesschmonzetten ab, dass es mir den Pilz von den Fußnägeln in die Flucht schlägt.

Bei all den positiven und unterstützenswerten Grundgedanken, die das Album zweifelsohne hat, kann ich das ernsthaft nicht hören. Ähnlich wie bei Gänsehauts ‚Karl der Käfer‘ taugt das Album maximal als Parodie, die spätabends laut mitgeträllert wird. Songs wie Morice verstören mich nachhaltig, wie es ‚Tage wie diese‘ sonst nur vermochten. Auch „Das Kapital“ / „Deutschland muss sterben“ in der Rainald-Grebe-„Für immer Punk“-Gedächtnis-Version lassen mich nur müde mit den Schultern zucken. Zu ernst für eine Parodie und anders nicht ernst zu nehmen.

Ich frage mich, ob die Zielgruppe so zu überzeugende oder zu ärgernde CIS-Männer wie ich sind, das Album der queeren Community zur Selbstvergewisserung dienen soll oder ob man damit einfach nur die Schrottgrenze endgültig überschreiten will?

Das ist viel zu monothematisch, um mehr als ein Nischenprodukt zu sein. Sorry Saskia, weniger wäre hier mehr gewesen. Ein Song wie ‚Räume‘ hätte hier gereicht, um ein klares Statement weiter zu verbreiten.

Stimmig ist so leider auch der Titel ‚Alles zerpflücken‘, dem nur noch das Ausrufezeichen fehlt.