Feine Sahne FickFSF haben sich gemacht. Und das nicht zu knapp. Dabei ist der Hype um die Band und besonders um Sänger Monchi fast schon unerträglich. Jedes Wort wird für bare Münze genommen, die Saufeskapaden als große Freiheit abgefeiert und demnächst kommt auch noch ein Film mit/über(?) ihn ins Kino. Obwohl ich Monchi überaus schätze und vieles sympathisch finde, dreht es sich für mich zu sehr um seine Person. Aber gut, Menschen im Mittelpunkt polarisieren nun mal mehr als andere. Wenigstens geht die Band ziemlich reflektiert damit um und widmet sich dem ganzen Fame mit einem Augenzwinkern, auch in musikalischer Hinsicht. Außerdem zeigen sie doch immer wieder mit unterschiedlichsten Aktionen, dass sie diese Prominenz gut für ihre Zwecke ausnutzen und sehr solidarisch sein können. Etwas ruhiger geht da beim Gitarristen und „zweiten“ Sänger Christoph zu. Sowohl in der persönlichen Darstellung als auch bei seinen Gesangseinlagen. Tatsächlich mag ich die Lieder wo er singt sogar noch mehr. Und das ist zum Glück keine Ausnahme (mehr) auf 'Sturm & Dreck'.
Das was mit dem vorherigen Album 'Bleiben oder gehen' bereits startete, wird nun konsequent weitergeführt. Die Lieder wirken sehr bedacht und nachdenklich, teilweise gar melancholisch. Immer wieder blitzen melodische Punkparts durch, die trotz der ganzen Trompeteneinsätze nicht direkt nach Ska klingen. Doch tatsächlich sind FSF schon recht rockig und massenkompatibel. Allerdings sind die Facetten von Punk ja deutlich weiter gefasst als Gerumpel oder 3 Akkorde. Und wenn eine Band mit Inhalt das Musikbiz aufrollt, ist mir das deutlich lieber als irgendwelche Deutsch-Rock-Scheiße. Das ist schon ganz gut so.
Neben dem bereits bekannten Bezug zur Heimat und das Meer, werden auf dem Album auch (wieder) die Belangen der kurdischen Bevölkerung und deren Befreiungsbewegung thematisiert. Diesmal allerdings nicht im Hinblick auf Kobane/Sengal/Rojava, sondern Suruc. Dieser Ort wird gemeinhin mit dem Beginn des aktuellen Krieges des türkischen Regimes gegen die kurdische Minderheit im Land in Verbindung gebracht. Und zeigt u.a. wieder das politische Engagement der Band, die auch mal über den Tellerrand und ihre Meck-Pomm-Provinz hinausschaut. Anschließend dreht es sich passender Weise wieder genau darum, um die See und die Einsamkeit und das „Raus kommen“, bis mit 'Wir haben immer noch uns' wieder der Pathos Einzug hält. So schließt sich der Kreis und all in all kann das Album nach mehrmaligen Hören doch ganz gut punkten.
Wenn 'Sturm & Drang' in einem Satz beschrieben werden müsste, sagen es FSF selber am besten: „Ich kann immer noch nicht Sing´n und spiel jetzt bei Rock am Ring, wenn wir seh´n das ihr kotzt geht es uns gut...“ Nice! (Audiolith Records) -henni-

Hier geht es zur Facebook-Seite von FEINE SAHNE FISCHFILET...

hier zur Homepage der Band...

zur Facebook-Seite von Audiolith Records...

und hier gibt es die "Sturm & Dreck" LP...