10 Jahre Grind The Nazi Scum - 10 Jahre Laut für alle Gegen Rechts
Nach Umfragen neigen 20 Prozent aller Deutschen zu rechtsextremem Gedankengut, in Ost wie West. Wobei wir unser Augenmerk nicht nur auf eine Partei, sondern immer auf den gesamten Komplex der Neuen Rechten richten sollten. Alle "ideologischen Strömungen und Organisationen, die inhaltlich nationalistische, rassistische und antisemitische Positionen vertreten, autoritäre und antidemokratische Gesellschaftskomplexe entwerfen, den Faschismus oder den Nationalismus verherrlichen bzw. relativieren und ein antiegalitäres Menschenbild aufweisen" , sollten unsere kritische Aufmerksamkeit erhalten.
Auch wenn heute davon ausgegangen werden kann, dass sich derartiges in dieser Form nicht wiederholt, heißt es wachsam zu sein!
Doch, was kann ein Festival, dazu noch eines, mit einem so offensiv provozierenden und vielleicht auch plumpen Namen wie das GTNS, dazu beitragen, etwas "gegen Rechts" zu tun? Vielleicht sollten wir dazu etwas in die Geschichte und Entstehung des GTNS- Festivals zurückgehen.
Wir schreiben das Jahr 2001. Das Geburtsjahr des Grind The Nazi Scum - Festivals. Rechtsradikale Horden wüten nicht nur auf Straßen und in politischen Wichtigtuer - Positionen, sondern sind seit einiger Zeit dabei, bisher links oder alternativ besetzte Musiksubkulturen zu unterwandern. Sie mischen sich auf Konzerten unter das Publikum, vereinnahmen Bands und Musikstile für sich oder eigenen sich Symboliken der Szene an, oder spielen gar selbst diese Musik. Die dumpfen und stumpfen Aussagen dieser Rassisten und Faschisten fallen dabei leider auf fruchtbaren Boden. Immer wieder werden auf bekannten Death Metal und Grindcore- Festivals rechte Idioten gesichtet, geduldet und nachher regt sich jeder über deren Präsenz auf. Aber niemand tut etwas.
Aber, müssen wir das alles tun? Müssen wir dulden und akzeptieren?
Dieser Akzeptanz geht meist einher mit Verharmlosung und Aussagen wie: "Solange die ruhig bleiben und nichts machen, können die auch hier sein." oder "Das sind doch eh nur Spinner:". Da fragt man sich doch, was diese Menschen "nicht machen"? Oder "machen" sie nicht schon etwas? Tragen sie nicht im Kleide des NSBM oder des Rechtsrock, ihr widerliche Gesinnung nach Außen? Sollten uns T-Shirts von Burzum, Skrewdriver, Anal Cunt oder Absurd nicht aufwecken? Oder ignorieren wir auch hier wissentlich, und machen uns damit zu heimlichen Mittätern, in dem wir Bands, welche ein wirres Weltbild aus heidnischem, völkischen, sexistischem, antisemitischem und rassistischem, in vielleicht ebenso wirren Köpfen etabliert haben? "Aber das ist doch nur Musik!" Nein, ist es nicht! Dieses NUR dient als Agitationsmittel im Kampf um die Köpfe. Und wie gesagt, wir dürfen unseren Blick nicht nur auf eine Kameradschaft oder Partei, welche Medienträchtig ausgeschlachtet werden kann, richten, sondern auf den nicht immer leicht zu durchschauenden Gesamtkomplex aus Biedermännern und Brandstiftern, mögen sie an Schreibtischen sitzen oder aktive Gewalt ausüben.
Damit haben wir aber immer noch keine Antwort auf unsere Frage, was man mit solch einen Festival "Gegen Rechts" tun kann und stellen uns dazu gleich die nächste Frage: Warum hört und spielt die Rechte das, was Hardliner als entartete Musik bezeichnen würden? Eine Musik, deren Wurzeln im Blues der afroamerikanischen Bevölkerung Amerikas liegt. Eine Musik, die großartige Künstler wie B.B.King oder Muddy Waters an die Oberfläche dieser Erde befördert haben. Viele andere nach ihnen, haben dem Rock `n` Roll ein vielfältiges Gesicht mittels einer fantastischen Entwicklung gegeben. Bis hin zu seinen extremsten Spielarten wie Grindcore und Death Metal.
Auch hier könnte eine Antwort lauten, dass dies wiederum nur der Agitation und Rekrutierung neuer Kräfte für das weite Feld der extremen Rechten dient. Die Schulhof - CD ist sicher das bekannteste Beispiel.
Aber was kann so ein Festival nun "Gegen Rechts" tun?
Natürlich nichts! Kein Festival, kein Buch, keine CD, kein Aufstand der Anständigen, wird jemanden, der die schon angesprochenen Positionen vertritt, von jenen abbringen. Natürlich kann mit so einem Festival ein Zeichen gesetzt werden, vor allem bei jungen Menschen. Ein Zeichen, mit dem gezeigt wird, dass niemand mit seiner Meinung allein da steht. Aber jeder selbst von Euch kann seinen Beitrag leisten. Positioniert euch auf Konzerten eindeutig. Weißt die Veranstalter auf entsprechende unangenehme Besucher hin. Tragt euren Protest auf die Straße!
Ort der Austragung des Festivals war bis 2006 die schaurig schöne Provinzeinöde Großenhain, bevor 2007 in den Brückenkopf nach Torgau gewechselt wurde. Anfangs wurde das GTNS als buntes Gebräu aus Hardcore, Punk, Metal und Grind, sowie alternativen Klängen aus dem Boden gestampft, um ein Zeichen gegen die braune wabernder Masse zu setzen. Wenig später mit dem ersten Auftritt des "Die Art" Nachfolgers "Wissmut" und dem Kai-Uwe "Sandow" Kohlschmidt - Projekt "Russ and the Velvets". Mit dem Einstieg von Meier (Ex-Napalm Entchen, Boiler) als Booker für das Festival, änderte sich auch dessen musikalisches Gesicht und entwickelte sich hin zum reinen Grindcore, Death Metal und Crust - Festival. Die Liste mit Namen der Bands ist lang. Einige davon sind unter anderem Cripple Bastards, Ingrowing, F.U.B.A.R. Sanitys Dawn, Accion Mutante, Mucupurulent, Mindflair, Malignant Tumour, Fleshless, Audio Kollaps, Ebola Beach Party, B.C.M. Rotz666, Verstärkertod und viele andere. Mit Großenhain wurde ein Ort gewählt, der, wie viele andere auch, nicht von Rechten verschont blieb. Dies zeigte sich an dem regen Interesse der rechten Szene, welche mit Berichten zum Festival und persönlichen Aufwartungen nicht sparte. So berichtete die NPD über unser "zweifelhaftes antifaschistisches Festival", mit welchem wir doch "nur autonome Linksextremisten anziehen" würden. Die Besucher die sich auf diesem Festival treffen, haben alle in etwa die gleiche antifaschistische Einstellung. Grundgedanke aber bleibt die Musik, die Party und damit das Gefühl, zu einer Szene zu gehören. Die Grindcoreszene an sich ist in ihren Wurzeln schon immer politisch gewesen.
Das GTNS ist nicht dazu gedacht, politisch zu erziehen. Es geht im Grunde darum, Freunde, lieb gewonnene MusikerInnen und uns selbst einen Ort der Begegnung zu schaffen, an dem man nicht durch Rechtsrock oder NSBM auf dem Zeltplatz, vor oder auf der Bühne belästigt wird. Wo keine stumpfen nationalen Möchtegernwikinger böse durch die Gegend stiefeln und allgemein niemand von nationalistischem, rassistischem oder germanischem belästigt wird. Ein Internationales Treffen ist das GTNS inzwischen geworden. Viele Besucher und Bands sind den Veranstaltern sehr ans Herz gewachsen.
Mit dem Namen des Festivals wurde sicher ein Statement gewählt, welches kaum einen Spielraum für Interpretationen lässt, wer sich hier gern trifft, wer hier gern gesehen ist und wer nicht. Provokant und eindeutig: keinen Rock `n` Roll für Faschismus, Homophobie, Antisemitismus. Wer gern mit Faschisten feiert, sollte diesem Festival fern bleiben. Wer meint, eine Subkultur für sich vereinnahmen zu können, kann seinen Arsch zu Hause lassen. Das sich einige Menschen durch den Titel des Festivals provoziert fühlen, entspricht sicher der Wahrheit. Aber, getroffene Hunde bellen…. Fakt ist nun einmal, dass von Hardcore bis Black Metal, von OI! bis Death Metal, versucht wird, die Szenen zu unterwandern. Bürger, haltet eure Umwelt sauber! Geht mit offenen Augen durch das Leben. Lasst die Dummheit an ihrem ausgestreckten Arm verkümmern. Nationalsozialistisches Getümmel, patriotisches Geseier oder einfach nur stumpfes Germanentum haben weder in der einen noch der anderen Szene einen Platz. Deshalb, keinen Fußbreit den Faschisten dieser Welt - nirgendwo! Eine kritische Auseinandersetzung mit rechten und reaktionären Tendenzen ist ebenso unabdingbar, wie eine differenzierte Diskussion dieses Themas mit der Szene. Das GTNS-Festival soll dafür ein Anstoß sein. Wer jedoch faschistisches Gedankengut verbreitet, kann sich unseren entschiedenen Widerspruches gewiss sein.