Patriotismus... Gewinner und Verlierervölker...

Geschrieben von: swebo in Politik

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Das Vorwort hat es aus Platzgründen nicht mehr ins Plastic Bomb #69 geschafft... aber da mir das bedruckte Papier mittlerweile nicht mehr soviel bedeutet, ist es ja auch super hier aufgehoben.

Die Vorwortthemenwahl ist ja oft auch eine sehr persönliche. Darum danke für den vielen Zuspruch und auch die konstruktive Diskussion, die ich mit einigen führen durfte. Erstaunlich fand ich den Aspekt in der Kritik an meinem Fleischkonsum, dass es weniger um die Tatsache geht, dass ich jetzt wieder tote Tiere verschlinge, sondern darum dass ich als Vorwortschreiber des Plastic Bombs wohl die verdammte Pflicht habe, positives Vorbild für die Jugend zu sein. Hm, so habe ich mich selbst noch gar nicht gesehen. Und will ich für die Jüngeren auch gar nichts sein. Es gibt halt Dinge, die mich beschäftigen. Fragen der Moral gehören dazu, wie Fragen des Genusses. Und glücklicherweise befinde ich mich selbst in der Situation Dinge richtig und falsch zu machen und gemacht zu haben. Dabei verschwinden aber nicht die Dinge, die ich falsch mache zwangsläufig. Im Gegenteil. Es findet ein reger Austausch zwischen den Feldern statt. Und hat es mich früher gestresst Ding gegen das bessere Wissen falsch zu tun, so kann ich das mittlerweile auch bei mir und anderen akzeptieren. Also nur soviel dazu: Prinzipiell halte ich es schon besser sich fleischlos zu ernähren!

So ist es mit vielen Dingen auf der Welt. Aus meiner persönlichen Ansicht heraus ist Patriotismus zum Beispiel kein Thema. Ich bin gebürtiger Westdeutscher und kann mit Deutschland in den Grenzen vor 45 genau so wenig anfangen wie nach 90. Da habe ich es ziemlich einfach. Deutschland in den heutigen Grenzen wird niemals meine gefühlte Heimat sein können. Glücklicherweise ist es Konsens Deutschland mindestens Anne Eier zu finden, so dass da eine große Punkrock-Kompatibilität besteht. In anderen Ländern ist das oft anders. Unglaublich viele Amis sind stolz auf ihr Land. Das kann ich zum Teil in Bezug auf Landschaften durchaus nachvollziehen. Duisburg hat ja auch tolle Wälder und der Niederrhein klasse Radstrecken. Ansonsten sind mir solche riesigen Peergroups suspekt. Ich kann also auch keine Sympathie / Übereinstimmung mit US-Patrioten empfinden, würde sie darum aber auch nicht generell nur wegen dieser Eigenschaft ablehnen. Bei deutschen Patrioten würde ich eher eine ablehnende Haltung einnehmen. Davon musste ich aber bei der letzten WM Abstand nehmen.

Bei türkischen Patrioten habe ich ähnliche Abneigung, tue dies aber lieber nicht kund, weil ich ja auch nicht als Ausländerfeind gelten will. Kurdische Patrioten sind hingegen eher immer so Opfer gewesen, mit denen man sich dann ja auch solidarisiert. Und die Dönermänner aus Kurdistan sind auch immer viel netter. Also manchmal akzeptiert man den Patriotismus anderer und schließt den eigenen aus. Generell scheint es also beim Patriotismus so zu sein, dass man sich mit so Verlierervölkern immer ganz gut solidarisieren kann. Also Schotten, Iren, Basken und solche sind meistens ganz okay. Tendenziell sind Völker ohne eigenen Staat im Punkrock relativ hoch angesehen. Mit Staat kommen gerade noch Kuba und Venezuela ganz gut weg. Also davon abgesehen, dass ich jetzt Völker und Staaten ganz elegant in einen Topf schmeiße, habe ich das Problem hier ein Fass ohne Boden auf zu machen. Früher war es ja als sogenannter Linker immer ganz okay, sich mit Palästina zu solidarisieren. Die haben keinen eigenen Staat und haben leckere Falafel im Angebot. Da gerät man allerdings schwer in Gefahr als Antisemit zu gelten, weil die Palästinenser von Israel eher unterdrückt werden und Israel eine ziemlich große jüdische Gemeinde hat. O Mann... mit diesem Thema könnte ich mich gut in die Scheiße reiten... also drehe ich den Spieß um: Egal ob Deutschland, Israel, Usbekistan, Türkei, Kurdistan, Schweden, Palästina, Irland, Island, Holland sowieso, Venezuela, Kuba, USA oder sonst ein doofes Land. Ihr könnt mal lang abhauen damit. Ihr wisst schon: No Nations, no borders.. aber wenn schon, dann richtig! Den Staat in dem ich Patriot werden würde, gibt es nicht.

 

Bocklist

BLUTJUNGS – Godzilla auf Speed CD

EISENPIMMEL- Füße hoch, Fernsehn an ...CD

EXKREMENT BETON – Schön, stur arrogant CD

 

Kommentare (1)Add Comment
aaa geschrieben von BleckJack, 14.November 2009, 20:30 Uhr
BleckJack
der Traum wäre ja eine Welt in der Grenzen keine Rolle spielen. Wird leider nie passieren. Ich muss sagen das ich schon Bezg zu meiner Heimat Thüringen hab, aber an erster Stelle steht im moment echt meine "neue" Heimat Wilhelmsburg. Das liegt vorallem daran das hier Grenzen verschwimmen. Punks, linke Alternative, Studenten, Emigranten - mit allen Vor- und Nachteilen. Industrie und Landschaft geben sich hier die Klinke in die Hand. DIY Konzerte, Ska Mukke und Infoabende - was das Herz begehrt. Mit den Grenzen Deutschlands konnte ich noch nie was anfangen und ich hab das Gefühl ich werd immer Antideutscher. Allerdings lass ich glaub ich keine Gelegenheit aus zu sagen das ich aus Thüringen bin. Gut geht auch nicht, hört man ja. ;-) Aber gerade in letzter Zeit und mit dem Vergleich der "neuen" Heimat ist mir das immer weniger wichtig. Mit ist es letztendlich egal wo man her ist. Das macht ja nur einen geringen Teil eines Menschen aus. So gesehen ist Heimat also für mich der Ort an dem ich mich wohl fühle und nicht der Ort in dem ich zufällig geboren bin. Patriostismus bezogen auf ein Land kommt für mich nicht in Frage. Wobei ich die vorzüge in West-Europa zu leben schon genieße. Sonst wäre ich nicht mehr hier. Schönes WE!

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