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Das Wetter war auf jeden Fall ziemlich optimal. Sonne, wolkenloser Himmel, nicht zu heiß, am ersten Tag auch ein wenig Wind, was ziemlich angenehm war. Scheinbar scheint in Hünxe schon seit Jahren ununterbrochen die Sonne. Der Feldweg, der aufs Festivalgelände führte, war jedenfalls so trocken und staubig, als ob besagter Ort irgendwo in Afrika liegt. Skinheads, die vor dem Konzert ihre Stiefel gewienert hatten,  konnten ohne Probleme bereits nach kurzem Aufenthalt dick und fett Sau auf ihre Boots schreiben und der ein oder andere Kiddiepunker, der sich für die Anreise extra das Auto von Mama und oder Papa geliehen hatte, verbrachte den Löwenanteil des folgenden  Sonntags höchstwahrscheinlich mit ausgiebigem Autoputzen. Aber solche Nebensächlichkeiten schienen niemanden zu stören. Die Stimmung war allgemein ziemlich relaxt und gut. Ich persönlich habe nur eine einzige Schlägerei mitbekommen. Obwohl Schlägerei eigentlich schon etwas übertrieben formuliert ist, da die Kontrahenten von ihren ziemlich besonnen Kollegen bereits beim Vorgeplänkel ganz gut in Schach gehalten wurden. Für eine solch große Veranstaltung hatten die Sanis auf jeden Fall ordentlich Leerlauf. Es ist schon ein ziemlicher Witz mit welchen „Argumenten“ die zuständigen Behörden gewöhnlich derartige zumeist friedliche Zusammentreffen verbieten. Da wird dann immer der Untergang des Abendlandes prophezeit und von dem großen Gewaltpotential, dass Punkkonzerte per se hätten schwadroniert. Das Ruhrpottrodeo hatte ja bereits genau ebendiese Probleme. Hünxe war ja im letzten Jahr eher eine Notlösung und mausert sich jetzt zunehmend nach und nach zu einem Veranstaltungsort erster Kajüte. Selbst die Security war ziemlich umgänglich, hilfsbereit und zumeist auch gut gelaunt. Keine ultrawichtigen Bösegucker mit Schließermentalität, die ihre sinnlose Existenz durch übertriebene Arschlochigkeit kompensieren mussten.

Der Asifaktor im Publikum hielt sich auch in Grenzen. Jedenfalls gemessen an der Referenzgröße FORCE ATTACK. Obwohl zugegeben schon der ein oder andere komische Kauz, Menschen mit auch nur rudimentären Sinn für Ästhetik und Stil,  mit seiner bloßen Anwesenheit beleidigte. So „Made in Germany“ auf der Wade und so. Obwohl ich niemanden verurteilen möchte den ich nicht kenne. Könnte ja auch sein, dass der dat gar nicht selber war, sondern beispielsweise seine Eltern. So nach dem Motto:" Bursche, du hast jetzt lange genug deinen Eltern auf der Tasche gelegen. Den ganzen Tag nur im Fernsehen diese Arschpustel Stefan Raab gucken und deinem Vater das Bier wegsaufen. Nichts gelernt und auch noch große Fresse. Deine Mutter und ich haben beschlossen, da Du mit deinen 28 Jahren, auch nicht dazu bereit bist dir selbst auch nur einen Minijob im Getränkemarkt zu suchen, dich noch heute bei E-Bay reinzusetzen. Petra schreib auf: “120 Kilo Fleisch, Made in Germany, meistens stubenrein und beispielsweise als Türstopper, auch für große Werkstore zu gebrauchen. Nicht dem direkten Sonnenlicht aussetzen, riecht dann leider etwas ranzig. Preis gillt pro Killo“ So mein Junge, jetzt müssen wir nur noch zum Tätowierer. Müßte deine Verkaufschchancen drastisch erhöhen... Sind ja nicht umsonst Exportweltmeister." Könnte ja sein, oder etwa nicht?   Schön auch, dass sich im nachhinein das Gerücht vom anrückendem Nazimob aus Belgien als unwahr rausgestellt hat.

2ND DISTRICT hatten am ersten Tag, ebenso wie GEWAPNED BETON, das Pech sehr früh spielen zu müssen. Waren deshalb recht wenig Leute vor der Bühne, was aber nicht am Sound gelegen haben kann, der war sehr gut abgemischt. Ist halt immer besonders schwierig bei solchen Veranstaltungen für diejenigen die früh spielen. Hat wahrscheinlich was mit Physik und dem Gesetz der Massenträgheit zu tun, zusätzlich verschärft durchs warme Klima und der übermäßigen Präsenz vom  guten alten König Alkohol. Am 2. Tag  verschärft sich dieser Umstand natürlich traditionell noch. Ist aber auch kein Wunder, wenn die Mehrheit der Leute, quasi über Nacht zu ausgemachten Katzenfreunden mutieren und erst mal ihre mit teuer Geld erworbenen Kater pflegen müssen, bevor sie die müden Augen erneut dem gleißenden Tageslicht aussetzen können. BLUTTAT spielten am 2. Tag auch sehr früh. Hatten aber sichtbar Spaß an der Sache und waren sehr, sehr fitt an ihren Instrumenten. Besonders wenn man bedenkt, dass die Band recht selten probt und sich quasi nur für diesen Gig zusammen gefunden hat, eine ziemlich bewundernswerte Darbietung. Sehr zur Freude des Publikums wurde von der Bühne verkündet, dass die Band aber durchaus Interesse an weiteren gelegentlichen Gigs hätte.

Live gut wie immer waren die Kernasis von den LOKALMATADOREN, MAD SIN (Köfte erinnert vom Körperumfang zunehmend (im wahrsten Sinne des Wortes)an den späten Elvis), TOY DOLLS mit ihrem routiniert spaßigen Funpunk, CHEFDENKER und die  LOS FASTIDIOS. Hatten aber auch allesamt das Glück zu einem späteren Zeitpunkt zu spielen. Genervt haben MONTREAL und besonders die COWBOY PROSTITUTES (dabei sang schon Billie Childish „Cowboys are square, Indians are best“), welche auf ihre Frage „Do you like porn“ nur eisiges Schweigen von Seiten des Publikums ernteten.  Ebenso wie MONTREAL nervten die Nutten von den Kuhjungen durch übermäßig aufgesetzte Coolness und mit peinlicher MÖTLEY CRUE Attitüde, welche als mathematische Formel wahrscheinlich folgender Maßen ausgedrückt werden könnte: Koks zum Quadrat plus jede Menge Whiskey aussem Discounter und ne gewaltige Portion sexueller Frustration gleich musikalisch schlechte und unfreiwillige BONES Parodie plus schlecht von den SUPERSUCKERS geklaute Bühnenshow. Gut, MONTREAL waren eine andere Baustelle. Aber mindestens genauso kacke, langweilige Rockgülle mit gelegentlichen Punk und Hardcore-Einsprengseln aus Nasenhausen an der Puderallee meets TOCOTRONIC in Hamburg zum Wettwichsen auf der Reeperbahn.  Auch nicht so dolle waren I WALK THE LINE, welche ein wenig lustlos und verloren auf der großen Bühne wirkten. So ein bisschen wie TURBO AC`S auf Valium.

EMSCHERKURVE 77 hatten ebenso wie RASTA KNAST das Publikum souverän im Griff (wollte schon immer mal EMSCHERKURVE und RASTA KNAST in einem Satz schreiben). THE KLEINS waren zwar recht engagiert, passen aber meiner Meinung nach (nomen est omen) besser auf kleine Bühnen. Gleiches gilt im übrigen auch für BONECRUSHER. Der Sänger war ein wenig angepisst, weil einige Leute im Publikum doch arg gelangweilt waren. Richtig überzeugen konnten die Shantyschunkelpunks von TALCO und auch SCHEISSE MINELLI. Bei SCHEISSE ist zwar noch nicht alles Gold was glänzt. Sind aber sichtbar auf dem richtigen Weg, mit ihrem knackigem Oldschool-Rollbretthardcore und ihrem humorigen Gesamtauftreten, gekoppelt mit der starker Bühnenpräsenz des Mannes am Mikro. Ist aber trotzdem keine Klamauktruppe und wenn das so weiter geht prophezeie ich für das nächste Album und die weitere Zukunft noch einiges.

BETONTOD, ZAUNPFAHL und ATEMNOT kamen beim angereisten Pöbel meist jüngeren Datums auch recht gut an. Was dem einen seine Lieblingsband, ist für den anderen halt eher eine Art von gut funktionierendem Verhüttungsmittel, weil man dadurch nicht nur nicht schwanger werden kann, sondern einem im Vorfeld auch schon alles vergeht. Keine Musik zum Fremdgehen, sondern eher der Soundtrack zum gepflegten Fremdschämen. ME FIRST AND THE GIMME GIMMES waren Headliner des ersten Abends und lieferten ein eher routiniertes Set ab. Wirkten etwas müde die Herren und es wäre  vielleicht besser gewesen, man hätte die jeweiligen Hauptakts schon zur Primetime auf die Bühne gestellt. Besser für Bands und Publikum. Schon allein aus logistischen Gründen. Hünxe liegt nun mal ziemlich am Arsch und weitab jeglicher Zivilisation. Dieser Umstand ist auch das einzig wirklich vorhandene Manko beim Rodeo. Gute Anbindung an den öffentlichen Nahverkehr ist wirklich was anderes, obwohl der Veranstalter redlich bemüht ist, mit dem eingesetzten Shuttlebus auszuhelfen, sollte man sich, um ein möglich stressfreies Wochenende zu erleben, auf jeden Fall aufs Zelten einstellen. Jedenfalls wenn man kein eigenes Auto und/oder einen Vollzeit-Straight Edger, oder zumindest einen Wochends-Soft Edger bei der Hand hat, welcher fahren tut.

COCKSPARRER legten als Hauptact des Samstages einen gelungenen Auftritt hin. Ist halt solides Handwerk und obwohl jeder Handgriff bereits im Schlaf sitzt (die Ansagen ändern sich auch nicht großartig von Konzert zu Konzert), hatten die Herren augen- und ohrenscheinlich Spaß auf der Bühne. Das Publikum feierte die Hühnerdiebe von der Insel gebührend und hatte seine helle Freude an alten und neuen Songs. Sicherlich wurde mehrheitlich, zwischen den Stücken die alten Gassenhauer gefordert, dennoch war nichtsdestotrotz auch bei den neueren Lieder sichtbar Leben vor der Bühne. Hauptsächlich wurden natürlich Songs der „Shock troops“ gespielt, aber auch von der „Guilty as charged“ und aus der Zeit bei Decca kam das Beste auf den Tisch. Insgesamt ein sehr gelungenes Wochenende und in Sachen Organisation auch eine klare Steigerung, verglichen mit letzten Jahr. Schön auch, dass man bei der Abfahrt mit dem Auto nicht von unseren Freunden in grün belästigt wurde und einem somit keine kostbare Lebenszeit abhanden kam. Ist bei Veranstaltungen dieser Größe ja alles andere als die Regel. Hab das ganze Wochenende über keinen einzigen Bullen oder Bullete gesehen. Hing wahrscheinlich mit dem gleichzeitig in Moers stattfindenden Jazzfestival zusammen. Die Polente musste scheinbar  per Dienstanweisung geschlossen haarige Trommelkreishippies ärgern. Fotos werden noch nachgeliefert...
Basti

Kommentare (2)Add Comment
... geschrieben von maddin, 03.Juni 2009, 06:14 Uhr
[m.]
es hätte ja gereicht, wenn der shuttle nachts nach kirchhellen gefahren wär, weil man von da noch mit den NE's weggekommen wär...
... geschrieben von Frank, 02.Juni 2009, 10:08 Uhr
crazyunited
Bluttat haben vor diesem Gig einige Male geprobt und spielten vor dem Festival schon einen Gig in Mülheim ;-)

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