Geschrieben von: Ronja Montag, 08. Februar 2010 um 16:03 Uhr
Jetzt mal was gannnnz anderes...
Es gibt ja immer mal so Bands, mit denen man immer wieder konfrontiert wird und über die man sich trotzdem nie wirklich ne Meinung gebildet hat. Oder die man mit 15 mal lustig fand und sich dachte..."na ja, wie lang wird das wohl dauern, bis der Witz zu Ende gelacht ist...?"
Und irgendwann fragt man sich vielleicht berechtigt, warum sich diese Band so viele Jahre in den Medien gehalten hat. Und wenn man dann anfängt, ein wenig danach zu suchen,und einem auffällt, dass die Band garkein Nieschendasein fristet, sondern massenhaft Fanclubs hat, Fanforen, Fankultur... war ich plötzlich neugierig.
Ich hab den Jungs um Weihnachten rum ein paar Interviewfragen geschickt, die sie auch ohne großes Brimborium beantwortet haben. Das Ganze ist zwar nichts tiefgreifendes geworden, aber ich fands auf alle Fälle cool, dass sie sich gemeldet haben und uns einen kleine Einblick ins mächtige JBO-Imperium gewähren!!
Wie lang gibts euch denn jetzt eigentlich schon, wie viele Alben habt ihr veröffentlicht und wie viele Konzerte habt ihr (gefühlt) gespielt?
Vito C.: Es gibt uns jetzt seit über 20 Jahren. Unseren ersten Auftritt hatten wir im Oktober 1989. Wir haben 8 Studio-Alben und eine Live-CD veröffentlicht und bis zum heutigen Tag genau 685 Konzerte gegeben - gefühlt natürlich deutlich mehr ;-P
Ihr hattet für die lange Zeit nur wenig Besetzungswechsel...
wie haltet ihr es so lange miteinander aus? Habt ihr noch Spaß zusammen
oder ist die Band inzwischen nur noch Job?
Hängt ihr auch privat zusammen rum?
Vito C.: Nach so einer langen Zeit hat man irgendwann gelernt, mit den anderen umzugehen. Manchmal hängen wir auch privat zusammen rum. Aber privat und Job ist bei uns nicht zu 100% trennbar. Und Spaß haben wir immer zusammen :-)
Noch ne Frage, die weiter zurück liegt: Wie kam das denn, dass ihr relativ schnell in der Bravo und anderen Massenmedien abgefeiert wurdet? Persönliche Kontakte? Oder habt ihr damals einfach in die Nachwehen der Funpunk -Zeit (Mimmis, Brieftauben, Schließmuskel) rein gepasst?
Oder habt ihr vielleicht echt was Neues ausgegraben, in dem ihr Fun-Metal erfunden habt?
Vito C.: Das sind Dinge, die ich gar nicht genau beantworten kann. Da solltest Du vielleicht mal bei der Bravo nachfragen. Private Kontakte gab es da allerdings keine. Und irgendwie muss es wohl damals einen Nerv getroffen haben. denn die erste CD (Explizite Lyrik) verbreitete sich völlig ohne jede Promo und Marketing.
Mal ganz ehrlich: Gabs deswegen auch schon Probleme, grad am Anfang,
dass humorlose Kuttenträger euer Anliegen nicht so ganz verstanden haben?
Vito C.: Es gibt immer jemanden, der's nicht lustig findet. Aber Probleme würde ich das nicht nennen. Wer Bock hat, soll sich's anhören und wer keine Lust hat, hat eben frei ;-)
Ihr hattet ja irgendwie immer Ärger am Hals. Angefangen beim original Bandnamen, dann mit Patrizier, Tucher... ich weiß nicht, wie es mit Albennamen aussah...
Nervt euch das nicht? Oder hattet ihr von Anfang an damit gerechnet und ne Armee von Anwälten ran geholt?
Habt ihr gern Ärger oder bringt das auch ein nicht unerwünschtes Maß an Aufmerksamkeit?
Vito C.: Nö, wir haben nicht gerne Ärger, sondern wir machen einfach gerne, worauf wir Lust haben. Hin und wieder fühlt sich dann eben jemand auf den Schlips getreten. Allerdings können wir den Anwälten der Plattenfirma von James Last nicht genügend danken! Diese Werbung hätte wir niemals bezahlen können!!
Nachdem es allerdings in diesen Fällen niemals wirklich vor Gericht ging, konnte die Armee von Rechtsanwälten bis jetzt zuhause bleiben. Mal sehen, was noch kommt ;-)
Wann und vor allem Warum habt ihr angefangen, selbst Songs zu schreiben und nicht nur zu covern? Weil ihr gelernt habt, zu spielen?
Nach welchem Prinzip wählt ihr die Songs aus, die ihr euch covermäßig unter den Nagel reißt?
Vito C.: Wir haben alle auch schon vor J.B.O. eigene Songs geschrieben - auch mit J.B.O. haben wir sehr bald angefangen, eigene Sachen zu spielen ("Ein guter Tag zum Sterben" z.B. stammt von 1991). Zugegebenermaßen überwogen die Covers lange Zeit. Das hat einfach was damit zu tun, was uns gerade einfällt. Genau das ist auch das "Prinzip", nach dem wir Coversongs auswählen: Die Idee zählt einfach! 
Habt ihr eigetlich immer den ...gleichen Humor... behalten? Oder macht ihr euch jetzt irgendwie anders über Dinge lustig?
(also, habt ihr vielleicht gemerkt, dass viele Leute subtilen Humor nicht verstehen und ihr jetzt deutlicher sein müsst.... oder vielleicht nicht mehr so auf die Kacke haun könnt..?)
Wolfram Kellner: Es ändert sich immer irgendwas, textlich wie musikalisch.
Allerdings denke Ich, dass wenn die Beschreibung "subtil" überhaupt im Zusammenhang mit JBO genannt werden sollte, dann könnte der Begriff heute eher zutreffen als früher.
Hattet ihr je nen politischen Anspuch? Also versucht ihr politische Themen in Texten zu vermitteln? Ihr macht euch ja auch über diverse Politiker lustig...oder gehört das einfach dazu?
Wolfram Kellner: Wir haben gemerkt, dass wir für politisches Kabarett mit der Meldung via Veröffentlichung nicht schnell genug am Publikum sein können. Will sagen, unsere Produktionszeiträume sind meistens zu lang um wirklich aktuell, witzig zu sein. aber manchmal muss es halt dann doch auf CD sein. Live ist das leichter.
Ihr habt ja zB mit den Onkelz oder mit mach anderen Spacken beim Wacken Open Air gespielt....
Wo sind da eure Schmerzgrenzen, wo/mit wem würdet ihr nicht spielen?
Wolfram Kellner:
Wenn wir nett eingeladen werden, die Gage ok und das Essen gut ist, gibt es wenige Gründe irgendwo nicht zu spielen.
In welchem Verhältnis steht ihr zur Führungsetage der Kitzmann-Brauerei?
Wolfram Kellner:
In einem guten Verhältnis.
Ähm... wie hoch ist der JBO-Anteil an eurem regulären Jahreseinkommen?
So prozentual...
Also man gewinnt ja schon direkt den Eindruck als wärt ihr ein kleines Imperium mit großer Fanarmee, Merchartikeln und immer neuen (Wieder-)Veröffentlichungen.
Was bleibt da hängen, bzw lebt ihr von der Band?
Wolfram Kellner:
Da wir untereinander nicht identische Einkommensquellen haben kann ich Dir diese Frage nicht beantworten....so prozentual.
Wir betrachten JBO allerdings als unseren kleinen Betrieb und versuchen damit über die Runden zukommen.
Wie viel von dem ganzen Kram macht ihr selbst, also Webauftritt, Kontakt mit Fans, Konzerte booken, Cover layouten, Interviewfragen beantworten ;-)...?
Wolfram Kellner:
Kann man alles nachlesen, auf unserer Website und in unseren CDs.
Fans kontaktieren uns häufig direkt via mail und das Meiste beantworten wir auch.
Interviews beantworten wir selbst.
Habt ihr James Last eigentlich mal persönlich kennen gelernt?
Wolfram Kellner:
Ich persönlich nicht. Ob die Anderen , weiß ich nicht...war kein Thema bis jetzt.
Letzte Worte, Anmerkungen, Antworten auf nicht gestellte Fragen...?
Wolfram Kellner: Habt viel Spass und probiert mal fränkisches Bier!
Vielen Dank!!!

@ Simon: verwechsel die fränkischen Bollerbirnen mal nicht mit der Combo, die immer auf den Bundeswehr- Feten zockt- die heißen zwar auch JBO, das steht allerdings für JugendBlasOrchester (wirklich jetzt).
Ronja will uns doch nur auschecken. Wenn das mit der berüchtigten Ich-lach-mich-gleich-tot-Kapelle hier einigermaßen durchgeht, wird nächste Woche das E-Mail-Interview mit Kevin R. aus der elektronischen Fußfesselhaft in der Villa Rothschild hochgeladen.
Wegen Dir können wir es nicht lesen.
In einem Interview mit Oi!Visions hatten sie das seinerzeit auch erläutert, warum/weshalb etc., hier mal ein Auszug:
Redaktion: 2005 habt Ihr beim Abschlußkonzert der Onkelz am Lausitzring gespielt.
Wolfram: "Ja."
Redaktion: Wie kam es dazu?
Wolfram: "Wir wurden eingeladen. Wir wurden eigentlich sehr nett eingeladen. Wir haben dann in der Band diskutiert, ob wir das machen sollen… "
Redaktion: Das lief alles über das Management?
Wolfram. "Ja. Das lief über das Management. Aber der Onkelz-Manager der hat uns… es war halt nicht diese Business-Ebene. Wir sind ja mittlerweile im Business so involviert, daß wir da die Unterschiede schon ein bißchen mitkriegen, ob man eingeladen wird zu einem Festival, weil man Leute zieht, oder ob man einfach eingeladen wird. Und die Onkelz haben an diesen Tag sicher keine Band eingeladen, weil sie jemand gebraucht haben, der die Leute zieht. (lacht) Wir haben das auch nicht wegen dem Geld gemacht. Es war einfach eine nette Einladung. Wir hatten vorher mit denen eigentlich nichts zu tun."
Redaktion: War das das Konzert mit dem größten Publikum für Euch bis jetzt?
Wolfram: "Ja. Es waren viele Menschen da." (lacht)
Redaktion: Habt Ihr die Onkelz dort mal kennengelernt?
Wolfram: "Ne. Komischerweise nicht. Es wäre ganz schön gewesen, wenn es stattgefunden hätte, aber es war halt nicht. Wir hatten auch keine Anstrengungen unternommen. So herzlich war die Einladung dann doch wieder nicht (lacht). Es war nicht so, daß wir im Container der Band Shake-Hands gemacht haben. Die Legenden besagen ja auch, daß sie sich damals in der Garderobe schon fast die Fresse eingeschlagen haben. Keine Ahnung, kann gut sein, daß es nur eine Mähr ist."
Redaktion: Wie waren Eure Eindrücke? Und wie wurdet Ihr von den Fans aufgenommen?
Wolfram: "Ich sag mal… ich hab mal Onkelz Fans gesehen. Also richtig viele Onkelz Fans – das waren richtige Die Hard Fans. Und da muß ich sagen, daß ich ganz froh war, daß die 100 000 nicht nur aus solchen Menschen bestanden. Und zwar war das diese Klubtournee Geschichte. Die wollten wir uns damals mal anschauen."
Redaktion: In Nürnberg?
Wolfram: "Im Hirsch, genau. Das war ja innerhalb von Stunden übers Internet ausverkauft. Wir haben uns das dann angeschaut und das war dann eher schon die Abteilung 100 Jahre Knast, irgendwie. Das war eher ein beschissenes Flair. Lausitzring war da ganz anders. Das war wie jedes normale, große Rock Open Air. Aber das hat mich gefreut. Es hat ein gutes Feeling gemacht."
Redaktion: Wie steht Ihr zu den Onkelz?
Wolfram: "Ich muß sagen, daß wir die Rehabilitationsversuche schon honorieren können. Also wenn man natürlich von der meinungsbildenden Presse, der wir sehr kritisch gegenüber stehen… also, wir wissen ganz genau, was das für Menschen sind, die so etwas schreiben. Die haben halt ihre Lieblingsfeinde gefunden, ich sag einfach mal, ne Prollband aus Frankfurt, die für mich eigentlich einfach Prolls waren – ob sie es noch sind, weiß ich nicht. Die haben halt einfach ein paar Songs gemacht und gemerkt… sie haben sich dann darüber Gedanken gemacht – die ganzen Benefizaktionen und die Gelder, die sie gespendet haben… Ich finde, die haben schon einiges für Ihre Rehabilitierung getan. Man kann auch finden, daß sie ihren Namen hätten ändern können, kann man alles finden, sicherlich. Für uns war das Thema einfach durch und in der Kombination mit der netten Einladung haben wir uns gedacht, wir machen das jetzt."
Hannes (der gerade rein kam): "Darf ich zu dem Thema noch was sagen? Ich habe letztes Jahr gedacht, Deutschland hat schlimmere Probleme als das Abschiedskonzert der Onkelz."
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