Geschrieben von: ronja Montag, den 11. Januar 2010 um 11:39 Uhr
Anlässlich ihres anstehenden Konzerts in Köln, ihres neuen Albums und der Wiederveröffetlichung der "Some things never Change" Platte von 1992 in Japan, hier ein paar Worte von Holger und Steffen!Wie lange gibts euch denn jetzt schon und könnt ihr euch erinnern, wie viele Besetzungswechsel ihr in der Zeit hattet?
Holger: Wir feiern dieses Jahr unser 20-jähriges Bandjubiläum, sind also gerade keine Teenager mehr. Zu Beginn des Jubiläumsjahres rocken wir in Köln in der Werkstatt am 16.01. – und danach überlegen wir uns, was man Besonderes machen könnte. Besetzungswechsel waren es 7 an der Zahl, davon aber alleine 5 Bassisten bzw. –innen, wie man seit Kati sagen kann.
Was haltet ihr von dem Reunion-Wahn in letzter Zeit? Wär es nicht medienwirksam, sich zu trennen und in ein paar Monaten wieder zusammen zu schließen?
Holger: Nun ja, den gab es in jedem Jahrzehnt aufs neue, meist amerikanische Bands, denen das Geld ausgegangen war, oder die Pistols natürlich, gleicher Grund, kein einziger neuer Song. Ich persönlich beurteile das nach den neuen Liedern, die diese Gruppen in der Lage sind, den Leuten zu bieten. Wenn sie ein gutes neues Album machen, von mir aus alle paar Jahre wie meine Lieblingsband, die Descendents, und was zu sagen haben, ist es mir recht. Ansonsten ist es Nostalgiebefriedigung oder Abzocke, beides brauch ich überhaupt nicht. Wir sind aber auch keine große Band, und der Trick würde kaum ziehen.
Ihr supportet ja immer diese KSV - Hessen Nord Sache, habt da auch
grad nen Song auf eure Seite gestellt.
Ich wollt mal wissen ob ihr schon Vorwürfe wegen Lokalpatriotismus und
sowas bekommen habt...?
Steffen: Wenn die Lokalmatadore eine ganze Platte über Schalke04 machen dürfen, ist es ja wohl mehr als gerecht einen einzelnen Song über seine Stadt und seinen Fußballclub zu machen ohne dass man uns Lokalpatriotismus vorwirft und wir sind ja alle open minded, solange es nicht um Fußball geht, haha.
Und witzigerweise kommt der Song auch überregional an, wir mussten ihn auch schon in Berlin und Augsburg spielen und in diesen 3Minunten sind wir irgendwie alle Nordhessen.
Holger: Nein, und wenn schon, wären sie gerechtfertigt: Ich bin absoluter Lokalpatriot und würde nie irgendwoanders wohnen wollen als genau hier. Das Lied ist ja nur zum Teil über den Fußball, ansonsten über die ganze Region. Und die hat nur Vorteile, es gibt z.B. keine Band, die so komfortabel touren kann als wir hier von der genauen Mitte der Republik aus. Schon mal ahle Wurscht probiert? Wir wohnen hier im Paradies, hehe.
Da sach ich jetzt mal nix zu...
Lost Lyrics sind seit 16 Jahren auf Hulk Räckorz. Liegt dem ne
persönliche Sache zugrunde oder seid ihr einfach so zufrieden?
Steffen: Freundschaft!
Holger: So weit würde ich nicht gehen. Haha. Okay, also ernsthaft: Beides, genau. Für uns ist Hulk das beste Label, das es gibt. Dort können wir die Band als Hobby betreiben, ab und zu etwas rausbringen ohne irgendwelche Vorgaben oder Druck, haben ein kompetentes und engagiertes Label und einen, (nach SPV) neuen, guten Vertrieb. Fratz hat Ahnung, Ideen und nicht zigtausend Bands, um die sich dann eh keiner kümmert, wie bei manchen anderen Labels. Als wir damals von Nasty Vinyl gewechselt sind, kannten wir Fratz vorher schon, hatten einige, ich sage mal erlebnisorientierte Parties gefeiert und uns angefreundet. Mittlerweile verschachere ich ihm schon Babyklamotten.
Wie kam das denn, dass das Album "Some things never Change" von 1992
jetzt in Japan veröffentlicht wurde? Woher kommen die Kontakte und freut
ihr euch da drüber?
Steffen: Der Yuki aus Tokyo betreibt ein Punkrock Label in Japan und die „Some things...“ ist seine absolute Lieblingsplatte. Er schrieb via MySpace dass es eine grosse Ehre für ihn wäre, die Platte zu veröffentlichen. Wir haben natürlich sofort zugesagt. Auf diesen ollen Kamellen klebte schon dick der Staub drauf ,ist ja bald auch 20 Jahre alt die CD, aber dank Yuki haben wir wieder einige dieser Songs im Repertoire und finden großen Gefallen daran. Und erstaunlicherweise zünden die live genauso gut beim Publikum wie die neueren Songs. Ich kenne die Songs ja auch noch von früher als ich die Lost Lyrics live gesehen habe und noch lang nicht daran dachte, dass ich selber mal mitspielen würde in dieser Kapelle, wenn ich mal größer bin, haha. Ich dachte damals schon, dass Bad Religion doch in L.A. bleiben können, wenn es hier genauso gute Songs aus Nordhessen gibt.
Holger: Die Ehre ist dabei natürlich ganz auf unserer Seite, ist etwas ganz Besonderes. Wir wollten ihm dann eigentlich die zweite englischsprachige CD von uns anbieten, aber er wollte eben die erste. Die haben wir hier bei Wolfhagen in einer Sauna aufgenommen, nicht nackt aber ohne viel Produktionstechnik. Na ja, vielleicht isses gerade das. Wir freuen uns sehr. Nur ein paar japanische Schriftzeichen hätten wir gerne auf dem Cover gehabt…
Sind eure Texte von damals noch aktuell? Oder hättet ihr lieber was
aktuelles in Japan veröffentlicht?
Holger: Prinzipiell gibt die aktuelle Platte natürlich auch das aktuellste Bild von einer Band, von daher hätten wir natürlich schon lieber die Punchline Party dort gehabt. Aber wie gesagt, er macht das ja, weil es ihm gefällt, und das ist okay. Die neue hat er in den Vertrieb genommen. Die Texte sind in Japan, englisch oder deutsch, austauschbar. Die Texte selber sind nach wie vor genauso aktuell wie 1992, da sie keine zeittypisch gebundenen Themen oder Tagespolitik behandelten. Es war ja im Grunde dasselbe wie das was wir heute machen, nur eben auf englisch. Leider waren wir so zu der Zeit austauschbar geworden und wollten aber ja ein deutsches Publikum ansprechen, also änderten wir die Sprache, und schon fühlten sich viel mehr Leute angesprochen und interessierten sich plötzlich auch für die Texte, was vorher gar nicht der Fall war. Aber ansonsten, wie gesagt: Stil und Themen sind prinzipiell wie heute. Und wenn wir einen alten Song spielen, fällt der dann meist auch bloß wegen der Sprache auf.
Wie waren die Reaktionen auf die neue Platte "Punchline Party"?
Kommt sie vor allem bei Jüngeren gut an oder zeigt man euch langsam den Weg ins Punkrock-Altersheim?
Steffen: Was wir bis jetzt so gehört haben, wollen viele bei der „Party“ mitfeiern. Wir sind selber auch sehr zufrieden mit dem neuen Album. Der Plattentitel klingt zwar nach einer heiteren Punkrockscheibe, da steckt aber eine ganze Menge mehr dahinter. Wir versuchen schon dass Maul, auf unsere Art und Weise, aufzureißen und prangern an, warum nicht jeder mitfeiern kann bei dieser „Party“ hier im Land. Und das wollen zum Glück jüngere, aber auch noch die älteren hören.
Holger: Kommt die Frage von Michael?
Nein. Von mir. Darum schreib ich dir ja.
Holger: Hey Ho, manche Polit-Crustbands gehen doch schon auf die 50 zu, oder? Während sich bei manchen Bands das Alter der Zuhörer schon sehr bedrohlich dem der Künstler annährt, hehe, können wir mit Stolz vermelden: Ja, sie kommt eher bei Jüngeren, was immer das dann ist, gut an. Und das ist auch gut so.
Am 16.01. in Köln beim Rheinpunk Festival haben aber Altenheimbewohner in Begleitung ihrer Eltern freien Eintritt, hat Party gesagt.
Na, dann lernen wir uns ja alle mal persönlich kennen. Danke für eure Zeit!!

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