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Das FORCE ATTACK FESTIVAL, wer kennt es nicht? Es ist das größte Punkfestival Deutschlands, auch wenn es zuletzt ein paar Probleme gab. Das Gelände müsste gewechselt werden. Staat und Bevölkerung machten mobil, um ihre Gartenzwerge vor dem Punkpöbel zu schützen. Die Besucherzahl halbierte sich. Aber Organisator Imre ist nicht faul. Er kämpft. Er zieht um. Er führt Veränderungen und Verbesserungen ein. Er arbeitet an seinem Festival. Und wenn man ehrlich ist, wurde dies auch Zeit. Denn das FORCE ATTACK hatte zunehmend mit dem Ruf zu kämpfen ein Treffpunkt für die hinterletzten Alkoholiker und Dummpunks zu werden. Hinzu kam noch die diskussionswürdige Band KRAWALLBRÜDER auf einem der letzten Festivals, die vielen sauer aufgestoßen ist. Mehr und mehr konnte man den Eindruck gewinnen, dass die netten Punks, die engagierten Punks dem Festival fern blieben, weil sie sich einfach nicht mehr wohl fühlten. Aus meinem Bekanntenkreis sind früher dutzende Leute zum Force Attack gefahren. In diesem Jahr waren es gerade noch zwei Personen ! Das hat seine Gründe. Und es wäre arrogant und fahrlässig über diese hinwegzusehen.
Aber im Moment sieht es so aus als wäre Imre ernsthaft an einem Imagewechsel interessiert. Er ist um Veränderungen bemüht. Mehr Qualität, mehr Komfort, auch wenn es etwas mehr kostet. Weg vom billigen Saufgelage. Weg mit den Dixies. Hin zu etwas gehobenerem Standard. Vor allem die Ladies werden es ihm danken.
Lest selbst was Imre zum diesjährigen Festival, zu Auseinandersetzungen mit Behörden, zum Ärger mit Punks und zum Festival 2010 zu erzählen hat. Seinem Selbstbewusstsein lässt er auch hier freien Lauf. Kleine Brötchen werden woanders gebacken. So ist er halt. Es sind auch sein Charakter und sein Selbstbewusstsein, die das FORCE ATTACK zum größten deutschen Punkfestival gemacht haben
.


Nach vielen Jahren auf dem alten Gelände in Behnkenhagen ist das FORCE ATTACK 2009 auf ein neues Gelände in Klingendorf umgezogen. Wie bist du mit dem Gelände zufrieden? Das Festivalgelände kam mir etwas groß vor, während das Zeltgelände etwas klein schien...
Du hast ja eine gute Beobachtungsgabe... Die Geländeaufteilung war noch nicht die allerletzte ideale Lösung, da wird nächsten Sommer noch nachgebessert.
Aber es ist ja immer so: zu verbessern gibt es ständig was, man muss jedes Jahr die Erfahrungen auswerten und schauen, dass das Konzept immer wieder überdacht und verbessert wird. Wir haben ja auch noch eine weitere große Wiese auf der anderen Straßenseite zur Verfügung, davon haben wir dieses Jahr nur ein kleines Eckchen genutzt.

Wie bist du mit dem Verlauf des Festivals zufrieden?

Im großen und ganzen bin ich zufrieden, sagen wir mal bis auf den Umstand, dass es ruhig ein zwei Besucher mehr gewesen sein könnten. Klasse waren wie immer die Bands - energiegeladen und vielfältig! Aber das wissen die, die da waren, ja am besten! Sehr gut klappte die Glaskontrolle - eine Aufgabe, bei der uns nur die wenigsten zugetraut hätten, dass wir das erfolgreich durchziehen! Somit gab es so gut wie überhaupt kein Glas und somit auch keine Scherben mehr auf dem gesamten Festivalgelände, was die Zahl der Verletzungen sehr eindämmte. Im Gegenzug gabs Dosenbier zum absolut günstigen Preis von 14 Euro die Palette 24 x 0,5 Liter Hansa Pils in Dosen, es wurden in 48 Stunden, von Donnerstag bis Samstag abend, 45.000 Dosen verkauft und die fröhliche Party am Zelt konnte auch ohne Sterni aus der Glaspulle stattfinden. Auch die Spühltoiletten und Duschen, die gegen  Bezahlung genutzt werden konnten und jederzeit in einem hygienisch einwandfreiem Zustand waren, wurden sehr begrüßt. In Fortführung dieses Gedankens werden im nächsten Jahr die ollen Dixies endgültg abgeschafft - dort sah es, trotz ständiger Reinigung, immer wieder aus wie Sau. Dafür zahlt dann jeder 5 Euro mehr fürs Ticket und kann die, wie in diesem Jahr gut gepflegten, Toiletten jederzeit gratis nutzen. Was besonders für die Damen schön ist!

Du hast dieses Jahr ein Müllpfand eingeführt. Besucher konnten Müll sammeln und bekamen Teile des Eintrittsgeldes zurück. War diese Aktion von Erfolg gekrönt?

Ja, das lief super, der Platz sah am Montag nachmittag aus wie geleckt. Da schon ab Samstag früh der Müll abgegeben werden konnte, mussten die Leute auch nicht mehr in den Müllmassen zelten, viele haben sich ihren Müllpfand von 5 Euro je Besucher schon rechtzeitig zurück geholt - und dann sofort versoffen...

Warum hat sich deiner Meinung nach die Besucherzahl innerhalb von 2 Jahren halbiert?
Eindeutig: Die Weltwirtschaftskrise hat den Punk erreicht, die Leute haben immer weniger Kohle (weil sie immer mehr saufen)... Aber nun in echt: Das mag mehrere Gründe haben: Zum einen hatten etliche Besucher aus entfernteren Regionen aufgrund der Berichterstattung in den Medien über den Stress mit der Gemeinde Schiss, dass das Festival noch in letzter Minute verboten wird und sie dann die lange Reise umsonst antreten. Eine Befürchtung, die in meinen Augen nicht begründet war, diese Gefahr bestand nie, das Festival hätten wir auch ohne Genehmigung durchgezogen, scheiß auf die Behörden, spießige Bewohner und die Bullerei... Andererseits herrscht in einigen Punkerkreisen eine merkwürdige Gruppendynamik nach dem Motto "Wir wollen unser Sterni saufen", was aber aufgrund der Glaskontrollen und weil es dieses Bier eben nicht mehr in Dosen gibt, auf dem Zeltplatz nicht mehr geht. Über den Verlust an etlichen Asseln und Vollpfosten, deren Festivalinhalt in sinnloser Zerstörung, sich selber eingeschlossen, und rücksichtslosem Verhalten anderen Menschen gegenüber bestand, sind wir nicht traurig, unsere Umstrukturierung wird sich in Kreise rumsprechen, die das Festival schon aufgegeben hatten! Die Besucherzahlen der letzten beiden Jahre sind auf alle Fälle wieder zu erreichen, es wurde jetzt ein Fundament errichtet, auf das sich neu aufbauen lässt!

Es heißt, dass ihr der Umgebung rund ums FORCE ATTACK eine Steuer von 20% auf die Einnahmen bei Veranstaltungen erhoben wurde. Stimmt das? Ist das Gesetzt durchgekommen? Hat es dich betroffen? Bist du dagegen vorgegangen? Wie ging es aus?
Die Gemeinde Kavelstorf hatte im Mai in böswilliger Absicht, das Festival zu verhindern bzw. gnadenlos abzukassieren, eine so genannte Vergnügungssteuer- Satzung erlassen, mit der sie 20 Prozent des Umsatzes kassieren wollte, für nichts und wieder nichts, ohne eine Leistung zu erbringen und wohl wissend, dass niemals 20 Prozent Gewinn drinnen sind bzw. jeder, dem man ein fünftel des Umsatzes weg nimmt, definitiv platt ist. Also eine Totschlagssatzung. Nirgendwo in Deutschland werden Rockkonzerte solchermaßen besteuert, wenn schon gelten solche Satzungen nur für Tanzveranstaltungen, Spielhallen oder so. Schon allein die Vorstellung, dass so genanntes Vergnügen mit Steuern belegt wird, ist absurd - typisch Deutschland. So was denken sich doch nur Gestalten aus, die selber kein Vergnügen kennen. Ich habe dann gegen diese Satzung vor dem Oberverwaltungsgericht in Greifswald geklagt - und gewonnen, der übergangsmäßigen Verwaltung wurde untersagt, solch eine Steuer zu verlangen. Der Richter hat, unterstützt durch unsere Zuarbeit, gleich die einfachste Variante gefunden, diesen Scheißhaufen einzunorden - einen Verfahrensfehler der Gegenseite. In der Zeit, als die Bürokratenärsche diese Satzung öffentlich gemacht haben, gab es die alte Gemeinde Kavelstorf nicht mehr, die neue Großgemeinde Dummerstorf aber noch nicht. Ich würde aber so ein Verfahren auch inhaltlich gewinnen.

Gab es Ärger mit der Bevölkerung der angrenzenden Orte? Man hört von Flugblattaktionen und aufgebrachten Bürgern. Worum ging es genau? Gab es Gespräche mit diesen Bürgern?
Es gingen, seit dort bekannt geworden war, dass das wunderbare Force Attack dorthin kommt, Unterschriftenlisten rum, in denen irgend ein Quatsch stand, diese lagen dann überall aus, beim Arzt, in der Kirche, was weiß ich noch wo, in jedem Scheißhaus wahrscheinlich. Da sind auch Leute mit Listen rumgerannt in Dörfern, die so weit weg vom Schuß liegen, dass sie nie im Leben jemals einen Festivalbesucher sehen werden, höchstens in der Zeitung... Jetzt nach dem Festival ist alle Aufregung vorbei, alles lief gut, sämtliche Gartenzwerge stehen noch, alles bestens also. Leben und leben lassen, es ist natürlich auch ungewohnt für die Anwohner, wenn mal was los ist in ihrer Umgebung. Die sollen einfach mitfeiern, dann passt das schon. Gespräche gab es im Vorfeld eigentlich nur mit Anwohnern, die eh auf unserer Seite standen. Alle anderen hockten mit vollen Hosen in der Deckung und warteten auf den Weltuntergang.

Ist dir bei dem Ärger im Vorfeld mal der Spaß vergangen. Hättest du am liebsten mal die Brocken hingeschmissen?
Keinesfalls. Erst einmal lebe ich von diesem Festival und arbeite das ganze Jahr dafür, da will ich mir ja nicht meine Lebensgrundlage von irgend solchen Idioten zerstören lassen. Ich bin echt ein harter Fighter, wenn es um Belange geht, von denen ich überzeugt bin, da muss es mich nicht unbedingt direkt persönlich betreffen. Auch gibt es viele tausende Menschen auf der Welt, denen dieses Festival etwas bedeutet, die dort eine schöne Zeit verbringen, einander kennenlernen, tolle Mucke hören, singen, tanzen, Spaß haben, die kann ich doch nicht einfach alleine lassen!!

In der Vergangenheit kamen immer mal wieder Rechte / Patrioten / Provokateure zum Festival. Hast du davon Kenntnis? Gehst du dagegen vor?
Keine Ahnung, was solche Leute bei unserer Party machen. Verlaufen? Verpeilt? Oder etwa Masochisten, die nach Schlägen betteln? So kommt mir das zumindest vor, weil gut geht das bei Entdeckung nie. Also für die, will ich sagen. Obwohl das echt nur Ausnahmeerscheinungen sind, was Rechtsverpeilte angeht, die sich mehr oder weniger aufs Festival verirren. Provokateure gibt es da allerdings gerade aus der vermeintlich "eigenen" Szene. Dummheit und Neid bilden da eine ätzende Kombination. Da ist alles, wofür Geld verlangt wird, sofort Kommerz. Auch wenn die Preise fair sind und wir auch nichts für lau bekommen, man also zumindest die Unkosten reinbekommen muss. Destruktive Typen, die ihre geistige Dunkelheit gerne mit brennenden Autos, Müll oder Toiletten erleuchten wollen. Wochenendpunks, die einmal im Jahr, weit weg von Mutti, ordentlich auf dicke Tasche machen wollen. Die waren dieses Jahr aber wunderbarerweise nur noch Restexemplare, die nicht mal das gepeilt haben, dass sie hier niemand will. Achso: Ja, wir gehen dagegen vor...

Musikalisch ist es schwer jedes Jahr etwas Neues zu bieten. Viele Bands bewegen sich im Bereich Deutschpunk, Oi! oder sind alte englische Bands. Warum holst du nicht mal Bands aus den Hardcorepunk/Politpunk-Bereich wie DEAN DIRG, OI POLLOI, POLICE BASTARD, BLACK FAG, ASSASSINATORS, REAGAN YOUTH, FREEZE, ADOLESCENTS,... die alle in Deutschland unterwegs waren/sind...?
Beim Force Attack haben im Laufe der Jahre schon jede Menge politisch motivierter Bands gespielt, auch Hardcorebands waren schon zu sehen und nicht zu überhören. Man muss auch immer in der jeweiligen Situation auf die Bands zukommen, gerade bei den Ami- Bands ist es schwierig, diese im Sommer zu bekommen, es ist zu teuer, die extra einzufliegen, und ihre Touren fahren sie, wenn überhaupt, nur im Frühjahr oder Herbst. Aber - schaun wir mal, es wird immer mal die eine oder andere Überraschung geben, insgesamt ist das Force Attack Programm immer recht hochwertig und vielfältig, und das alles bei einem guten Preis!

Wo findest das FORCE ATTACK im nächsten Jahr statt? Sind Neuerungen geplant?

Ja, wo schon? Da, wo es dieses Jahr auch stattgefunden hat, in 18196 Klingendorf, bei Rostock. Ich habe einen langfristigen Vertrag für das Gelände und einiges für die Infrastruktur des Festivalgeländes finanziert. Der Name "Punkrockcity" muss sich allerdings erst noch verdient werden! An Neuerungen hatten wir in diesem Jahr schon mal genug, zu viel wahrscheinlich für einige konservative Besucher, die sich erst mal ein Jahr zu Hause ausgeruht haben, um abzuwarten, wie es denn so wird an der schönen Ostseeküste. Größere Bühne wieder, dann diese schon erwähnte Toilettengeschichte. Alkoholfreies Bier, Sexverbot, na was man eben so machen kann... Ein herausragendes musikalisches Programm ist in Arbeit, da soll dann auch eine Hamburger Band dabei sein, die auf ihrer Homepage (noch) ein "nie wieder" zu stehen hat, demnächst werden auch die limitierten Happy Tickets in den Vorverkauf gehen, da kann man noch sparen, also Prost, frohes Fest und slime mich nicht voll! www.forceattack.de

Danke für deine ausführlichen Antworten. Viel Erfolg für 2010.
Micha.-

Kommentare (5)Add Comment
... geschrieben von heinzblöd, 12.Februar 2010, 15:29 Uhr
heinzblöd
hört sich ja ganz gut an was er da erzählt.allerdings war ich 2 mal aufm force und 2 mal wars scheisse.und nicht nur wegen den sogenannten asseln sondern wegen dummen patriotischen oi-skins die sich gesammelt haben, um den antifa-stand platt zu machen.echt sinnvoll sowas..
das liegt glaube ich wirklich an der bandauswahl,und die frage von micha warum er nicht mal andere bands ranholt finde ich durchaus berechtigt.
so bands wie krawallbrüder ziehen einfach deppen an.
und bringen nebenbei kohle rein.

ansonsten finde ich die neuerungen gut.wer weiss,vielleicht kann man in ein paar jahren ja mal wieder hingehen.
@ Blitzkrieg geschrieben von Micha, 29.Dezember 2009, 21:56 Uhr
Micha
Einerseits: Gut, dass die Faschos rausgeprügelt wurden.

Andererseits: Man sollte sich mal Gedanken darüber machen, warum die Faschos sich die Band ankucken wollen und auf den Konzerten auftauchen. Bei den Bands, die ich mir anschaue, hab ich mir noch nie den Raum mit Nazis teilen müssen. Komisch, oder...?
Mannomann geschrieben von Blitzkrieg, 29.Dezember 2009, 21:48 Uhr
Blitzkrieg
"Na super ding und schön wieder die krawallbrüder spielen lassen, wenn das mal nicht nach geldschneiderei klingt.
scheiss rechtsoffener sumpf kein wunder wenn da nur idioten hinfahren."

Gott, du hast einfach den hals voller Vorurteile. Nur, weil ein paar Idioten KB hören, ist die Band lange nicht rechtsoffen. Die haben vor zwei Monaten bei uns in Luzern gezockt, und die rechten Pfosten, die sich aufhielten, wurden von der Band&Roadies erst ermahnt (wg. Gruss), und dann rausgeprügelt. Also keine voreiligen Schlüsse ziehen, wenn du die Leute gar net kennst!!
... geschrieben von Horst, 02.November 2009, 21:41 Uhr
Horst
Na super ding und schön wieder die krawallbrüder spielen lassen, wenn das mal nicht nach geldschneiderei klingt.
scheiss rechtsoffener sumpf kein wunder wenn da nur idioten hinfahren.
... geschrieben von crazyunited, 29.September 2009, 08:55 Uhr
crazyunited
muß man jetzt den Namen SLIME ohne Ende anpreisen, um das Festival künftig wieder voll zu bekommen?

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