Geschrieben von: Micha Donnerstag, den 10. September 2009 um 10:33 Uhr
Kennengerlernt habe ich die Bekloppten Mönche irgendwann so im Sommer 2005. Aber so richtig in ihren Bann gezogen haben mich die 5 Bremer Ska-Punker 2007 bei ihrem Weihnachtskonzert im Schlachthof in Bremen. Mit welcher Energie und Ausgelassenheit sie die 900 Leute in der Halle zum ausrasten brachten hatte mich schon echt beeindruckt und ehrlich gesagt hätte ich ihnen das vorher nicht zugetraut. Und ebenfalls im Gedächtnis geblieben ist mir, dass sie ihr selbstproduziertes Album kostenlos für alle im Internet zum download anboten und sie trotzdem auch einen richtigen Tonträger in Form einer CD dabei hatten. Knapp zwei Jahre später steht der zweite Longplayer „Flying Circus“ in den Startlöchern. Und auf diesem Album haben die Mönche noch mal eine gewaltige Schippe drauf gepackt. Musikalisch gibt es immer noch lupenreinen Ska-Punk, der allerdings mit jede Menge anderer Einflüsse, wie Reggae, Metal, Country und auch etwas Dancehall gewürzt ist. Grund genug mich mit Sänger Daniel zum Plausch zu verabreden um über ihre neue Platte und ihre Sicht auf die Musikindustrie zu reden. – Svenner -
Angefangen hat das Ganze eigentlich so 1992, als Sven, unser Schlagzeuger und ich (Gitarre-Gesang) in unserer ersten gemeinsamen Band Musik gemacht haben. 1998 haben wir dann angefangen Punkrock zu machen und kurz darauf war auch schon Lasse mit seiner Trompete dabei. 2002 war das dann vorbei, weil Teile von uns in andere Städte gezogen sind. 2004 gab es dann so eine Art Neugründung. Dennis kam mit seinem Bass dazu, nachdem er jahrelang Gitarre in Metalbands gespielt hatte und 2005 rundete Matze als einzig wirklich Skaerprobter mit seiner Posaune den heutigen Mad-Monks-Sound ab. Die Mad Monks waren für uns alle dann etwas völlig Neues, ein musikalischer Stilmix, bei dem sämtliche Einflüsse eingeflossen sind, mit denen sich jeder Einzelne von uns privat beschäftigt.
Was hat es mit dem Bandnamen auf sich? Und welchen Bezug habt Ihr zur Kirche? Eure Homepage ist ja auch mit christlichen Begriffen gespickt. Auf welcher Mission befinden sich die „Bekloppten Mönche“?
Das „Mad“ steht im Prinzip für den Hauch Beklopptheit, den wir alle in uns tragen, aber auch das sich-gehen-lassen. Ein wichtiger Fakt in unserer Musik. Das wir Mönche sind liegt nicht zu letzt an Lasses und meiner katholischen Vergangenheit als Messdiener, die irgendwann in Ironie verkehrt ist. Glaube mag die eine Sache sein, die Institution Kirche eine Andere. Die Anspielungen auf das Geistliche sind aber eher Provokationen für jene, die sie als solche verstehen wollen. Unsere Mission heisst Tanz und Freude am Leben und nicht alles so ernst zu nehmen, wie Andere das gerne hätten. Wir haben keinen Bock auf diese Stock-im-Arsch-Gesellschaft, denn am Ende gibt es nur einen Grund, warum wir auf dieser Erde sind und der heisst Leben.
Ihr geht ja mit Eurem demnächst erscheinenden zweitem Album einen recht unkonventionellen Weg. Das komplette Album wird es als Gratisdownload auf Eurer Homepage geben und trotzdem wird es das Album auch auf CD und LP geben. Habt Ihr da keine Angst auf den physischen Tonträgern sitzen zu bleiben?
Man stelle sich einfach die Frage: Warum mache ich Musik? Wenn ich damit reines Geld verdienen will, verarsche ich die Musik, den Hörer und am Ende auch mich selbst. Wir haben Freude an unserer Musik und möchten diese mit Anderen teilen. In unserer heutigen Wegwerfgesellschaft, in der der Markt völlig überflutet ist und der Hörer durch Tauschbörsen lieber in die Illegalität abdriftet, anstatt 15 Euro für eine CD auszugeben ist es absolut unfortschrittlich seine Musik nicht einfach gleich gratis anzubieten. Man hat halt die Wahl, verkaufe ich 1000 Exemplare und habe 1000 Hörer oder verkaufe ich trotzdem 1000 und habe obendrauf noch weitere 10000, die sich das Ding gratis runterladen und es weiterempfehlen. Man macht halt Musik, die einem Spass macht für Menschen, die ebenso Spass dran haben und da ist es ja wohl keine Frage, ob du lieber 1000 oder 10000 Hörer hast. Bei unserem ersten Longplayer (Welcome To Mad Monk Abbey) haben wir das auch schon gemacht und von Einbußen haben wir kaum was gemerkt. Im Gegenteil: Wir haben das Ganze nach einem Jahr sogar noch mal nachproduzieren müssen. Und es gab sogar Einige, die sich die Scheibe nach dem runterladen dann doch noch gekauft haben. Wahrscheinlich wären viele Käufer ohne einen Gratisdownload gar nicht auf uns aufmerksam geworden. Und es war uns mehr als wichtig, das auch bei unserem neuen Tonträger beizubehalten.
Mad Monks für alle! Für free! Und wer dann doch bereit ist, uns zu unterstützen, wird mit einem wunderbar liebevoll gestaltetem Artwork inklusive Comic belohnt, das sein Geld mehr als wert ist.
Du hast schon das Artwork angesprochen, welches ja sehr nobel ist. Ein schickes 6-seitiges Digipack auf super dickem Karton und umfangreichem Booklet. Das ist doch bestimmt nicht billig. Wie rechnet sich denn so was? Die CD soll ja nach Möglichkeit im Laden auch nicht mehr als 10,00 Euro kosten.Das ist richtig. Rechnen tut sich das eigentlich überhaupt nicht. Das, was wir da machen, ist im Prinzip völlig wahnsinnig. Aber der günstige Preis soll am Ende dann halt doch ein kleiner Anreiz sein, die CD zu besitzen. Wir hatten kurz überlegt, die CD sehr günstig zu produzieren, aber das war schnell aus der Welt. So eine CD macht man nicht alle Tage, deshalb sollte sie schon nach Etwas aussehen und das wollten wir uns dann auch was kosten lassen. Um aber ein wenig Kosten zu sparen, haben wir uns dazu entschieden, alle Digipacks von Hand zu kleben. Das Ganze war auch nur mit der Unterstützung von ANR music&more möglich, das wahrscheinlich das einzige Label auf diesem Planeten ist, das sich auf eine solche irrwitzige Idee einlässt. ANR hat uns die Digis gedruckt und wer ANR kennt weiß, das auch von denen viel liebe zu erwarten ist. Da wir eine DIY-Werkstatt waren und das auch bleiben wollen liegt natürlich das größte Risiko bei uns, dennoch bleibt auch für Label und Vertrieb am Ende nicht viel übrig. Das ist dann natürlich eine unglaubliche Vertrauensbasis von ANR und Broken Silence, für die wir auch unendlich dankbar sind.
Woher nehmt Ihr denn die ganze Kohle? Hat einer von Euch geerbt oder im Lotto gewonnen?
Das Geld für die Produktion haben wir uns mit Livekonzerten hart erarbeitet. Man muss natürlich von dem Rockstargedanken Abschied nehmen, denn die Butter auf dem Brot finanzieren wir uns durch reguläre Jobs, wie viele andere Menschen auch. Und manchmal müssen auch die Mamas und Papas was leihen.
Wie schwierig war es, ANR music&more als Label für „Flying Circus“ zu gewinnen? Das Album über Eure Homepage zu verschenken, dürfte doch nicht gerade eine der ersten Geschäftsstrategien eines Labels sein.
ANR war da wohl weniger das Problem. Dadurch, dass wir von Anfang an klar gemacht haben, dass wir eine DIY-Produktion bleiben wollen, ist das finanzielle Risiko für ANR sehr gering. Wir haben Ben von ANR 2005 kennen- und lieben gelernt, nicht zu letzt, weil er, genau wie wir, einen gewissen Fetisch hat, was Aufmachung und Marketing betrifft. Ben ist ein Bockmensch, genau wie wir und in erster Linie hat ANR Bock auf uns und wir Bock auf ANR. Schwieriger war es da mit dem Vertrieb, der natürlich schon seine Mark dran verdienen will. Das waren lange Verhandlungen, gerade wegen des Gratisdownloads. Irgendein Argument scheint dann überzeugt zu haben, aber am Ende ist es halt unendliches Vertrauen, was uns da Label und Vertrieb entgegenbringen. Wir selbst waren von Anfang an der Meinung, dass uns dieser Gratisdownload nicht schaden wird.
Wieso habt Ihr Euch dann überhaupt noch für ein Label und einen Vertrieb entschieden. Warum macht Ihr dann nicht alles alleine?
Da gibt es zwei sehr wichtige Faktoren: Der Eine ist, dass der Vertrieb uns ermöglicht, deutschlandweit in den Läden stehen zu können. Bislang war es uns nur möglich, die CD in unserer Heimatstadt Bremen zu verkaufen. Ohne Vertrieb ist es schwer bis unmöglich in anderen Plattenläden zu stehen. Da hat die Erfahrung gezeigt, dass Läden die CD zum Teil nicht einmal umsonst nehmen. Außerdem war uns die Erfahrung wichtig, die Label und Vertrieb mitbringen. Die zweite Sache ist, dass wir feststellen mussten, dass wir vom Aufwand langsam an unsere Grenzen stoßen, denn DIY bedeutet eine Menge Arbeit, die neben Job und Studium erstmal gemeistert werden muss. Und selbst ein Vertriebsnetzwerk aufzubauen würde unsere Grenzen sprengen. Und die Ska-Punk Szene in Deutschland ist dann doch nicht so gut vernetzt, dass man da auf bestehende Strukturen zurückgreifen könnte.
Hat sich der Gratisdownload Eures ersten Albums „Welcome to the Mad Monk Abbey“ bemerkbar gemacht z.B. in Eurem Bekanntheitsgrad? Habt Ihr dadurch mehr Konzertanfragen? Und findet Ihr Euren Weg vielleicht auch richtungsweisend für andere Bands, gerade im Zeitalter in der es der Musikbranche nicht so gut geht?
Es ist eigentlich erstaunlich, dass man da doch so viel Überzeugungsarbeit machen musste, obwohl bekannt ist, dass die Musikbranche durch zum Teil illegale Downloads sowieso derbe Umsatzeinbußen erleben musste. Aber wir können uns das natürlich nur deshalb erlauben, weil wir nicht von der Musik leben müssen. Das Internet ist nicht die Zukunft, sondern bereits die totale Gegenwart und erst jetzt beginnt die Branche MP3s ohne Kopierschutz übers Internet anzubieten. Immer noch zu teuer aber es funktioniert immerhin schon. Aber wenn man sich mal reinzieht wie lange es das MP3 Format schon gibt ist es doch einfach unglaublich wie spät dies geschieht! Die Idee mit dem Gratisdownload ist aber auch nicht so neu, wir haben sie nur konsequent durchgezogen und mein Eindruck ist das immer mehr Bands ähnliche Wege gehen – immerhin hat uns der Download ermöglicht, dass auch Leute außerhalb der deutschen Grenzen unsere Musik hören. Wir kriegen Reaktionen aus Belgien, Mexiko oder Amerika von Leuten die voll auf unsere Alben abgehen. Wenn man über myspace einem „neuen Freund“ schreibt, er solle sich unsere Scheibe gratis ziehen, kriegt man oft zu hören, dass das bereits passiert ist. Wie gesagt: Ohne Gratisdownload hätten etwa 1000-1500 Leute unsere CD zuhause, so rotieren wir bereits auf weit über 10000 MP3-Playern. Scheinbar spricht sich das rum und die Resonanz ist durchweg positiv. Und über Konzertanfragen können wir uns mittlerweile auch nicht mehr beklagen. Da fehlt uns zum Teil sogar eher die Zeit.
Nun noch mal zurück zu Eurer aktuellen Scheibe. Ihr habt auf dem Album mit sehr vielen Gastmusikern zusammengearbeitet. Dadurch bekommt man neben dem klassischen Ska-Punk auch noch eine ganze Reihe anderer Klänge zu hören. Wie darf man sich die Zusammenarbeit da vorstellen? Hattet Ihr eine bestimmt Idee für einen Song und habt Euch dann die passenden Leute dafür geholt? Oder haben die Gastmusiker da selbst Einfluss auf die Songs genommen?
Diese Gastmusikeridee stand schon länger im Raum. Ich denke ausschlaggebend war die Skapunkunited-Tour 2006 mit DISTEMPER und SKANNIBAL SCHMITT, als wir in Rostock Cedric und Julian von Skannibal beim Aftershow-Freestyle lauschen durften. Wir haben dann Songs für das neue Album geschrieben und im Nachhinein überlegt, welcher unser befreundeten Musikerkollegen sich am besten integrieren würde. Und so gab es dann diese HipHop-Passage, die für Cedric wie maßgeschneidert war oder den Punkrock, für den wir dann Zeki von F-THREE gefragt haben. Jeder Gastmusiker konnte dann das machen, was ihm am besten liegt, aber eigentlich war es eher Zufall, dass vieles so gut gepasst hat. Am Ende hat aber wirklich jeder Gastmusiker seinen eigenen Charakter zu unserem Sound addiert und das macht das Ganze so schön lebendig und vielseitig.
Was hört Ihr denn persönlich so für Musik und welchen Einfluss hat das auf die Band?
Der unterschiedliche Musikgeschmack innerhalb der Band macht die Vielfalt in unserer Musik aus. Da hört der Eine eher Metal, der Andere mehr Ska oder sogar Pop, Einer Punkrock und wieder Einer eher Blues und Jazz und was dabei schlussendlich rauskommt sind die Mad Monks. Und eigentlich sind wir alle fünf auch ziemlich offen für fast alles. Ob das die bayrische Kultblaskapelle LA BRASS BANDA oder SYSTEM OF A DOWN sind, die MAD CADDIES an denen wir natürlich nicht vorbei kommen, weil sie grandios sind oder eine leider verblichene Band wie die Londoner Ska-Punk-Dub-HipHop-Heroen von KING PRAWN. Am Ende entsteht eine abwechslungsreiche Reise durch all unsere Geschmäcker für Menschen zwischen 6 und 99 Jahren.
Jetzt erscheint ja erst mal Euer neues Album. Aber was darf man in näherer oder fernerer Zukunft von MAD MONKS erwarten?
Wir werden im Herbst noch ein paar Konzerte spielen um die Scheibe in Deutschland etwas vorzustellen und dann kommt auch schon unser Weihnachtskonzert in Bremen, das mittlerweile Tradition ist und über 1000 Bremer und Norddeutsche anlockt und immer mit einer besonderen Show aufwartet. 2010 wollen wir im Sommer viele Festivals spielen, um uns mal etwas flächendeckend zu präsentieren. Für das Festivalbooking sehen wir uns jetzt im Herbst nach einer passenden Agentur um, da wir das alleine vom Aufwand her nicht mehr gerissen bekommen. Da sind wir auch ganz zuversichtlich, denn bisher hat es noch kein Festivalveranstalter bereut, uns auf eine schöne Abendposition gesetzt zu haben. Denn die neue Scheibe ist sehr fein geworden und braucht sich nicht zu verstecken, aber Live wird erst unsere komplette Energie freigesetzt. Es gibt Überlegungen mal in weit entfernten Ländern zu spielen, weil wir ein paar ganz gute Kontakte haben, aber das muss dann halt auch mit unseren Urlaubsplänen passen. Ansonsten sind Kooperationen besonderer Art mit befreundeten Bands geplant, aber das ist eine andere Geschichte.
MAD MONKS "flying circus LP/CD
im PLASTIC BOMB Onlineshop:
http://www.plasticbombshop.de/advanced_search_result.php?keywords=mad+monks&x=0&y=0

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