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Geschrieben von: ronja Donnerstag, den 27. August 2009 um 09:25 Uhr
Für den 5. September 2009 mobilisieren die Dortmunder Neonaziseuropaweit zum so genannten „nationalen Antikriegstag“. In den
vergangenen Jahren 4 Jahren hat sich die Zahl der an dem Aufmarsch
teilnehmenden Neonazis von ca 200 auf über 1000 mehr als verfünffacht.
Die Naziszene feiert neben der eigenen Mobilisierungsstärke vor allem
die geringe Gegenaktivität während des Antikriegstages 2008 als Sieg.
Vor allem in der aktionsorientierten Szene der sog. "Autonomen
Nationalisten" ist dieser Aufmarsch ein festes Event.
Um dem auch für 2009 geplanten Demonstration wirksam etwas entgegen
zusetzen hat sich u.a. das Bündnis "S5" zusammengeschlossen.
Auf der Internetseite des S5 Bündnisses [ http://s5.noblogs.org/ ] findet ihr einen ca. 23 minütigen Audio Vortrag unter dem Titel „Dortmund in a nutshell“, der sich mit der Geschichte und Entwicklung der Dortmunder Neonaziszene, der aktuelle Situation vor Ort und ganz Konkret mit dem „Nationalen Antikriegstag“ und den geplanten Gegenaktivitäten auseinandersetzt. Nach aktueller Sachlage ist der Aufmarsch vom Polizeipräsidenten verboten wurden, das Verbot soll jedoch von Neonaziseite aus angefochten werden. Natürlich vermindert das alles nicht im geringsten die Intensität der antifaschistischen Vorbereitungen für die Aktionstage am 4. und 5. September. Der Naziaufmarsch kann durchaus weiterhin in Dortmund stattfinden, wenn der Klageweg Erfolg hat. Es kann dazu kommen, dass die Nazis sich "so stark" fühlen, auch im Falle eines Verbots in Dortmund aufmarschieren zu wollen.
Plastic-Bomb:
Was steckt hinter dem Bündnisnamen S5 und welche Gruppen sind im
Bündnis organisiert?
S5:
Das Bündnis nennt sich s5 in Anlehnung an das Datum des diesjährigen Aufmarsches der Nazis zu ihrem sogenannten "nationalen Antikriegstag". Dieser findet dieses Jahr am 5. September statt und da wir uns erstmal auf diesen Aufmarsch der Nazis konzentrieren wollen, haben wir auch den Bezug im Namen hergestellt.
Im Bündnis sind viele verschiedene Gruppen assoziiert. Wir wollen ein breites Bündnis dieses Jahr auf die Beine stellen, um abseits von szeneinternen Grabenkämpfen den Nazis effektiv etwas entgegenzusetzen.
Ihr findet bei uns die lokalen Dortmunder Anitfagruppen aber auch solche aus Nachbarstädten und der Umgebung. Hierbei sind wir auch sehr pluralisitisch aufgestellt, was wir als Vorteil für ein gemeinsames Agieren an dem Tag betrachten. Alle Bündnisgruppen und unterstützenden Gruppen findet ihr auf unserem Blog: s5.noblogs.org .
Plastic-Bomb:
Welche Strategie soll diesmal genutzt werden um genügend Menschen zu
mobilisieren ?
S5:
Diesmal haben wir bereits früh mit der Mobilisierung begonnen, seit Monaten verschicken wir Mobimaterial und bemühen uns um eine bundesweite Mobitour. Die Daten hierzu findet ihr auf unserem Blog, ihr werdet sicherlich auch einen Vortrag bei euch in der Nähe haben. Des Weiteren vernetzen und koordinieren wir uns mit anderen Gruppen lokal, regional und bundesweit, um ein effektives Handeln am Tag des Aufmarsches zu gewährleisten.
Plastic-Bomb:
Der Aufmarsch der Neonazis ist momentan vom Polizeipräsidenten von Dortmund verboten worden. Begrüßt ihr diesen Schritt ?
S5:
Nein, wir begrüßen dies nicht, denn mit einem staatlichen Verbot erledigt sich nicht das Naziproblem in Dortmund. Sie sind weiter hier und verüben ihre Gewalt. Auf staatlicher Repression kann sich antifaschistisches Engagement nicht ausruhen. Außerdem sehen wir in dem Verbot die Fortführung einer fatalen kommunal- und landespolitischen Linie, die immer wieder darauf abzielt, dass die "DurchschnittsbürgerIn" sich durch die Gewalt der Nazi-Szene nicht betroffen fühlen muss. Das Verbot bestärkt einmal mehr diesen -- von Partei-Politik und
Regionalpresse systematisch getragenen -- Irrglauben einer individuellen 'Sicherheit'. Der aktionistische Vorstoß des Verbots suggeriert, dass
die politischen Institutionen, sich des Nazi-Problems annehmen und der 'normale' Mensch sich um diesen Haufen nicht zu kümmern braucht.
Plastic-Bomb:
Die Naziszene mobilisert trotz des Verbots weiter und kündigt an, gerichtliche Schritte gegen das Verbot einzuleiten. Es ist anzunehmen, dass es auch im Fall ds Verbots zu Aktivitäten der Neonazis kommen wird. Daher ist es immens wichtig klar zu machen, dass ein "Verbot" nicht auch heisst, dass kein antifaschistischer Widerstand notwendig ist. Wie ist eure Planung für den Verbots-Fall?
S5:
Für den Fall, dass die Nazidemonstration weiterhin verboten bleibt und dies auch gerichtlich standhält, werden wir eine große Antifademonstration nach Dortmund-Dorstfeld durchführen, wo eben die meisten Dortmunder Nazis wohnen und wo sie sich noch ungestört bewegen können. Damit nehmen wir ihnen ihren Rückzugsraum und zeigen ihnen, dass Dortmund eben nicht ihre Stadt ist!
Plastic-Bomb:
In der Dortmunder Nazisszene wurde der "Stiefel-& Bomberjackennazi"-Look durch den von den Linken kopierten "autonomen" Stil abgelöst. Was hat sich
durch den Einzug der "autonomen Nationalisten" geändert und wie kann hierrauf reagiert werden?
S5:
Nazis sind für viele Leute nicht mehr zu erkennen und für den 'Durchschnittsbürger' ist es nicht erkenntlich, ob eine Antifademonstration mit Black Block oder der "nationale Block" durch Dortmund zieht. Hieraus entwächst die Verpflichtung für Antifaschist_innen sich auch eine optische Vermittlung ihrer Positionen einfallen zu lassen.
Ein weiteres Problem ist die Attraktivität des aktionsorientierten Konzepts der "Autonomen Nationalisten" für Jugendliche. Mit ihrem rebellischen Gestus sind sie anziehend und aktraktiv und stellen ein Aktionsangebot für Jugendliche dar, welches drigend ein Gegenangebot mit antifaschistischem Inhalt braucht. Dies ist sehr wichtig, auch um das allmähliche Eindringen der Nazis in jugendliche Subkulturen zurückzudrängen, z.B. mit solchen Kampagnen wie "Kein Bock auf Nazis" oder "Hardcore bleibt nazifrei".
Antifaschistisches Engagement muss im Alltag verankert sein und darf sich nicht allein auf die Verhinderung von Naziaufmärschen beschränken. Gerade im Alltag muss rassistischen, sexistischen, antisemitischen und sonstigen reaktionären Denkweisen eine klare Abfuhr erteilt werden; diese finden sich leider nicht allein bei klar bekennenden Nazis.
Plastic-Bomb:
Dortmund ist ein Zentrum für die Naziszene in NRW, erlangt aber auch bundesweit immer weitere Bedeutung. Die Stadt scheint Symbolcharakter für die Szene der "autonomen Nationalisten" zu haben. Welche Entwicklung zeichnet sich hier eurer Meinung nach ab?
S5:
Dortmund hat eine Vorreiterrolle bei der oben beschriebenen Umstellung des Outfits. Es sind nicht mehr die alten Kameradschaften die den Ton angeben oder die rechten Parteien wie NPD und DVU, welche beide im Dortmunder Kommunalwahlkampf antreten, also auch nicht zu vergessen sind. Die neuen Gruppen der "Autonomen Nationalisten" treten nur noch mit ihrem Namen und einer Internetpräsenz auf, zusammengeschlossen in sogenannten Aktionsgruppen. Diese lässt sich auch im Falle einer drohenden Repression wechseln, so geschehen bei uns vor kurzem nach dem brutalen Überfall der Nazis auf eine Demonstration des DGBs am 1. Mai.
Da wären wir auch bei der nächsten Neuerung, die ANs haben vornehmlich Linke als ihren politischen Gegner ausgemacht, so wird der DGB angegriffen, seit Anfang des Jahres läuft eine Internetseite der Dortmunder Nazis, die vermeintliche Antifaschist_innen aus Dortmund outet, und es werden immer wieder Leute mit antifaschistischen Symbolen, z.B. im Mai erst mit einem Good Night, White Pride T-Shirt, angegriffen.
Es sind nicht mehr vornehmlich Ausländer, die im Fokus der Nazis stehen, die meisten von ihnen wohnen im migrantisch geprägten Dorstfeld und haben dort im Alltag auch relativ selten Auseinandersetzungen mit den Migrant_innen. Nichtsdestotrotz hat sich der Rassismus der Nazis nicht im geringsten vermindert oder an Hass und Gewalt verloren. Vielmehr scheint es Nazi-Strategie zu sein, zunächst auf die Ausschaltung des poltischen Feindes abzuzielen, um dann mit Attacken auf weitere gesellschaftliche Gruppen fortzufahren.
All diese Entwicklungen bedürfen natürlich einer Veränderung der antifaschistischen Praxis, welche wir hoffentlich auch gewährleisten.
Plastic-Bomb:
Welche Aktionsformen greift das Bündnis S5 auf? Welche Mittel seht ihr
als erfolgsversprechend?
S5:
Das S5-Bündnis ist ein pluralistisches Bündnis, das an den Tagen 4./5./6.09.09 vielfältige Mittel und Aktionsformen unterstützt und durchführt, die aus antifaschistischen Impulsen heraus die Präsenz der Nazis verhindern, behindern, bekämpfen und einschränken werden. Wir wollen, dass sich an diesen Tagen viele Gruppen und Einzelpersonen unserem Protest anschließen und ihn plural, vielfältig und kreativ unterstützen, ergänzen und bestärken. Da viele Parameter unserer Protesttage noch nicht feststehen -- gerade mit Blick auf das Verbot --, ist es zum jetzigen Zeitpunkt nicht abschätzbar, welche Mittel konkret Erfolg haben werden. Bitte informiert Euch über die konkreten Aktionen zeitnah auf unserer Homepage. Siehe s5.noblogs.org
Plastic-Bomb:
Welche Ratschläge habt ihr an Menschen und Gruppen, die sich an den
Gegenaktivitäten beteiligen wollen ?
S5:
Möglichkeiten zur Beteiligung an den Gegenaktivitäten gibt es viele. Im Vorfeld gibt es die Möglichkeit, einen Mobi-Vortrag von uns zu buchen oder ihn als Feature herunterzuladen. Dazu gibt es einen Link auf unserer Homepage. Siehe s5.noblogs.org Außerdem versenden wir gerne unsere Mobi-Materialien und freuen uns über Initiativen zur weiteren Verbreitung der geplanten Proteste.
Auch eine Unterstüzung unsere Aufrufs kann helfen, unseren Protest zu
bestärken und zu verstetigen.
Kontakt zu uns könnt Ihr über unsere Mailadrese aufnehmen:
Diese E-Mail-Adresse ist gegen Spambots geschützt! JavaScript muss aktiviert werden, damit sie angezeigt werden kann. Unseren PGP-Key findet ihr auf unserem Blog.
Da es an den Tagen 4./5./6.09.09 vielfältige und das ganze Stadtgebiet verteilte Aktionen geben wird, empfehlen wir allen Gruppen und Menschen, die an diesen Tagen nach Dortmund kommen, sich im Vorfeld gut zu informieren. Dafür ist natürlich unsere Homepage bestens geeignet, auf der wir aktuelle Informationen und Basics bereithalten. An den Tagen selbst arbeiten wir darüberhinaus mit weiteren Informationsstrukturen, über die zeitnah und aktuell über Aktionen und Geschehnisse informiert werden wird. Ansonsten wird es als Anlaufpunkt auch ein Convergence Center in Dortmund geben.
Also bildet Bezugsgruppen vernetzt euch und werdet mit uns zusammen am Wochenende in Dortmund aktiv!
Plastic-Bomb:
Vielen Dank für das Interview !
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