Geschrieben von: ronja Samstag, den 19. Dezember 2009 um 20:51 Uhr
Da das nächste Influenza-Fanzine wohl erst in einigen Monaten erscheint, nerve ich euch einfach an dieser Stelle mit einem Konzertbericht.
Ich war gestern im AZ Wuppertal und hab mir einen Haufen guter Bands angesehen und hatte auch sonst einen hinreißenden Abend!
Der gestrige Abend begann verhältnismäßig frostig. Henni und ich fuhren mit dem Auto nach Wuppertal um einer Einladung zum Abendessen zu folgen und anschließend das Gala-Weihnachts-Konzert mit Dean Dirg, Press Gang, Sniffing Glue, Now Denail und der Band, deren Namen ich dauernd vergesse, anzuschaun. Doch das erste was es in Wuppertal anzuschaun gab war eine geschlossene Schneedecke, wie man sie im sonnigen NRW selten zu sehen kriegt.
Das schlimmste am Autofahren im Winter ist ja nicht etwa eine vereiste Straße (die wird ja regelmäißig mit Salz eingedeckt) oder der Gedanke daran, wie sich das Salz grade durch die Unterseite meines Autos frisst. Viel schlimmer sind die vielen verunsicherten VerkehrsteilnehmerInnen, die mal wieder vom Wintereinbruch Mitte Dezember überrascht wurden und mit ihren Sommerreifen sicherheitshalber mit 5 km/h durch die Botanik tuckern.
Da krieg ich Agressions. Aber ich bin auch nicht gefahren sondern war für das lauter machen der Musik verantwortlich, bzw das wechseln der Kassette und somit die Musik an den Agressionspegel des Fahrers anzupassen.
Das Navi kannte wie immer den Weg und irgendwo in der Wuppertaler Innenstadt gab es auch einen Parkplatz zu ergattern. Komisch, wo wohnen die denn jetzt genau...wir waren noch nie hier und irgendwie gibt’s die Hausnummer garnicht. Gastgeber angerufen: "klar, falsche Straße".
Oke, dann schaun wir uns jetzt einfach mal das nächtliche Wuppertal an, latschen ein paar Berge rauf und andere wieder runter, ich freue mich dass ich AUSGERECHNET HEUTE meine Handschuhe zu Hause gelassen habe und zack, stehen wir in einer gut beheizten und wunderschönen Altbauwohnung.
Der nette Kerl, der uns mit Weißwein und Tarte empfängt (ich mag Klischees) kommt aus Südfrankreich und erzählt erst mal, dass er mit den Minusgraden mal garnicht zurecht kommt und keine Ahnung hat, wie er den Winter überstehen soll.
Schon beim Essen gieße ich einen halben Liter Weißwein in mich rein und merke langsam, wie viel ich eigentlich mal wieder zu erzählen hab. Und das Ganze bitte langsam und mit möglichst wenig Umgangssprache, der Gastgeber ist grade noch dabei, seine Deutschkenntnisse an der VHS zu perfektionieren. Und ich kann auf Französisch nur „Baguette“ und „Tarte“ sagen...
Gegen halb 9 machen wir uns auf den Weg ins AZ Wuppertal, das heißt dass wir eigentlich den Großteil des Weges gerutscht sind und dabei fast eine Rentnerin zur Schlitterpartie eingeladen hätten. Ich hatte mich an diesem Abend passender Weise für ein Corsage-Minirock-Sommeroutfit entschieden, welches ich mir mit dem Weißwein eigentlich nur etwas warm trinken wollte. Doch in Kombination mit der frischen Luft stellte sich auch langsam ein gewisser Kontrollverlust ein.
Am AZ angekommen stellen wir fest, dass wir die Band, deren Namen ich ständig vergesse, verpasst haben.
Find ich aber nicht weiter schlimm, schließlich bin ich eh erst mal damit beschäftigt, gefühlten 100 Leuten einen guten Abend zu wünschen, einen Haufen Hände zu schütteln und um diverse Hälse zu fallen. Und schon geht’s auch auf der Bühne weiter.
Sniffing Glue haben ihre Setlist geändert und verbraten ihre Hits jetzt schon am Anfang...Taktik? Man weiß es nicht. Irgendwie ist das Publikum noch nicht in Tanzlaune, die Stimmung vor der Bühne ist eher verhalten und irgendwie kann mich meine derzeit Lieblings-Liveband heute nicht so wirklich überzeugen....außerdem ist „California über alles“ raus geflogen (geht’s noch?!) und auch sonst erscheint mir das Ganze eher unspektakulär. Aber die Band ist wie immer engagiert, haben Bock zu spielen und Julian steht wie immer voller Inbrunst mit dem Rücken zum Publikum. Eine echte Clownsarmee, die Typen.
Weiter geht’s mit Now Denail. Das ist lustig, denn als die Band noch jedes zweite Wochenende in einem AZ um die Ecke gespielt hat, fand ich sie grauenvoll, langweilig und nervig. Und heute, wo man sie nur noch alle heiligen Zeiten mal spielen, freu ich mich jedes mal wie ein kleines Kind. Alle, mit denen ich gesprochen hatte fanden Now Denail langweilig und nervig und fanden sie früher immer besser...Aber ich hab mich gefreut!
Gefreut hab ich mich auch über die netten Menschen, die mir ein Bier nach dem Anderen in die Hand gedrückt haben. Ich selbst war nicht in der Lage mir was zu kaufen, da Rob, der eigentlich nur mal für 10 Minuten meine Tasche am Merchstand parken sollte, diese im Backstage gesavet hatte und ich keine Lust hatte, mich dort durch einen riesigen Jackenhaufen zu wühlen, um mein Portemonaie zu suchen.
Die großartige Inga hielt mir ein ums andere mal ihre Limo-Wodka-Mische unter die Nase und irgendwie hab ich mal wieder den Punk verpasst, wo man noch sowas ähnliches wie contenance hätte wahren können. So wie ich mir das eigentlich vorgenommen hatte, wenn ich schon mal bei anderen Menschen übernachte, die ich vor allem auch noch zum ersten Mal in ihrer Wohnung besuche. Na ja. Ich bin ja Profi. In Insiderkreisen nennt man mich auch Saufziege.
Ich beschließe, das Beste aus meiner Situation zu machen und vorsichtshalber erst mal weiter zu trinken.
Ich schaffe es auch, mir endlich mal bewusst Press Gang anzuschaun und bin echt begeistert. Ich muss dazu sagen, dass ich wirklich gut gelaunt war, was ja für ein positives Fazit recht förderlich ist. Aber Press Gang waren echt guuut!
Ach so, Herr Pogo: Wenn du uns schon deine weiße Fettplauze präsentieren musst könntest du dir wenigstens so nen Rückenaufnäher wie der alte Sänger von Antidote organisieren. „Fat Punx Not Dead“. Fänd ich hübsch.
Nach einer ausgiebigen Umbaupause betreten Dean Dirg das Szenarium. Ich hab mich ja in letzter Zeit lang und breit über die Band aufgeregt, muss aber sagen dass ich´s total großartig fand dass Doph mich neulich angesprochen hat und mir aus Sicht der Band erläutert hat, welche Vorwürfe er gerechtfertigt fand und welche nicht. Und welcher Teil meiner Aussage seiner Meinung nach purer Populismus war (die Leute wollen unterhalten werden ;-))
Ich würd meine Aussagen auf keinsten Fall zurück ziehen, denn all das, was ich gesagt hab, hab auch so erlebt. Aber ich finds auch geil, dass meine Worte nicht als Angriff gewertet wurde, sondern eher als Feedback.
Ich seh mir Dean Dirg nach wie vor super gern live an, neulich im AZ Mülheim waren sie auch mal wieder super engagiert und gut drauf, haben echt lang gespielt und eine großartige Show abgeliefert.
Aber gestern fand ich´s eigentlich noch besser, das Publikum ging wie immer richtig ab und ich mit.
Weil ich inzwischen nicht mehr ganz so fit auf den Beinen war hab ich mich rechts außen an der Box positioniert und konnte Zeugin folgender Szene werden: Typ und Mädl stehen neben mir. Typ will tanzen gehen, zögert aber. Mädl sagt: „geh doch tanzen, ich bleib hier“ Typ zögert trotzdem und raunt ihr zu: „ich hab Angst um dich, Baby...“ Ich breche in schallendes Gelächter aus, Typ geht, Mädl lacht mit.
Wenige Minuten später kommt Typ zurück, den Kopf ganz schief. Leider hat sich Superman´s Ohrring mit den Nieten auf den Schultern seiner Jacke verhakt... und er kann sich nicht alleine aus seiner misslichen Situation befreien. Ich hatte eigentlich nur das Bild von Ralph Wiggom und seinem neuen Glitzer-Ohrstecker vor Augen.
Nach dem Konzert beginnt eine wahre Völkerwanderung Richtung Ausgang.
Irgendwie müssen alle ihren letzten Zug kriegen und brechen in Abschiedshektik aus. Wir verlassen ebenfalls schwer angeschlagen den Ort des Geschehens und wanken mit unserem ebenfalls gut betrunkenen Gastgeber nach Hause. Der ist die meiste Zeit über mit fluchen und maulen beschäftigt und stellt sich die Frage, warum er sich nur verliebt hätte und jetzt in dieser eisekalten Scheißstadt lebt. Ich find´s lustig.
Wir hören noch ein wenig Musik und versuchen, uns zu unterhalten, müssen das Experiment aber aufgrund erhöhtem Alkoholpegel aber recht bald abbrechen.
Am nächsten Morgen gibt es ein großartiges Frühstück mit Milchkaffee aus Schalen und dazu Croissant (Klischees sind suuuper!), womit mein Kater auch nur noch halb so schlimm war.
An dieser Stelle nochmal vielen Dank an die Gastgeber und an die VerantalterInnen im AZ Wuppertal!!! Ronja

welche band ist denn da auf dem foto?
Du hast noch vergessen zu schreiben, dass du nachts auf dem Rückweg gesehen hast wie der Elefant aus der Schwebebahn in die Wupper gesprungen ist...
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