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Das geht jetzt schon seit einigen Jahren so...regelmäßig bekomme ich Post von Leuten aus dem linken "Projekt Schuldenberg" in Plauen. Plauen heißt Vogtland und liegt im südwestlichen Teil von Sachsen. Und obwohl ich mich musikalisch eher an den Bands jenseits des Atlantiks orientiert hatte, gefielen mir regelmäßig die Veröffentlichungen der Band ABRISS WEST. Kein platter Deutsch-Punk, sondern äußerst angepisster Punk / Hardcore mit sehr ausgefeilten politischen und sozialkritischen Texten. Ende Dezember 2008 trudelte die neue CD "Scheigt nur weiter" ein, die ein absoluter Hammer ist! Das war für mich der Anlaß gewesen endlich ein Interview mit ABRISS WEST zu machen. Viel Einleitendes brauche ich hier nicht mehr sagen, denn die Antworten der Band sprechen für sich selbst.
PLASTIC BOMB: ABRISS WEST…für die PLASTIC BOMB Leser dürftet Ihr noch relativ unbekannt sein. Könntet Ihr Euch bitte kurz vorstellen, wer Ihr seid, seit wann es Euch gibt und was Euch bewegt hat die Band zu starten.
Karsten: Unsere momentane (und hoffentlich endgültige) Besetzung besteht aus Hoff als Sänger, Selina Gitarre, Karsten Gitarre und zweiter Gesang, Jan am Bass und Kristian als unser Schlafzeuger. Neben Jan, Hoff und mir war noch Mario Gründungsmitglied. Das war Anfang 2000. Ich glaube die Band haben wir einfach aus Langeweile gegründet. Sozusagen als eine Art Beschäftigungstherapie.

1.    hatte noch nie einer von uns irgendeine Erfahrung mit Musik. Keiner von uns wusste überhaupt wie man mit einer Triangel bedient, geschweige denn eine Gitarre oder ein Schlagzeug.
2.    waren wir für erste musikalische Erfahrungen relativ alt (20 und älter)
3.    hatten wir anfangs nie Absicht auch nur halbwegs bekannt zu werden bzw. eine Vorstellung zu was das eigentlich gut sein könnte.
4.    bestimmte mehr oder weniger der Zufall die Verteilung der Instrumente (die göttliche Vorsehung des Loses :-) )

Also die besten Voraussetzungen um ganz groß raus zu kommen. Unsere ersten Krachversuche machten wir im ehemaligen Kohlebunker von unserem Basser. 1,60m Deckenhöhe, gelegen mitten in einer idyllischen Ein-Familienhaus-Siedlung. Innerhalb von zwei Jahren hatten wir so an die 6 Proberäume (darunter eine Garage, die oberste Etage einer unbeheizten alten Fabrik – ideal zur Beschallung des ganzen Ortes, etc.) durch, die wir immer wieder aufgrund von anrückender Polizei oder Beschwerden vom örtlichen Bürgermeister o.ä. räumen mußten. Hoff war erst unser Schlagzeuger, dann Gitarrist, dann Sänger neben Mario. Kristian kam 2001 hinzu und war erst Gitarrist, dann Schlagzeuger mit Gesangszusatzqualifikation. 2002 kam Selina als Gitarristin  hinzu, unser vorheriges Bandmaskottchen. 2006 hängte Mario seine Sängerkarriere an den Nagel und verließ den aktiven Teil der Band. So sieht`s jetzt aus.  Selina, Kristian und ich wohnen und leben seit ca. 8 Jahren im alternativen, selbstverwalteten „Projekt Schuldenberg“ in Plauen und sind da auch seitdem aktiv tätig. Unser Proberaum befindet sich in den Kellerräumen des Hauses. Jan wohnt noch in unserem eigentlichen „Gründungsort“ Auerbach (ca. 30 km entfernt). Hoff ist in Würzburg/Kitzingen, was doch einiges weiter weg liegt.

PLASTIC BOMB: Aufgrund Eures Bandnamen könnte man vermuten, dass es sich bei Euch um eine allerwelts Deutsch Punk Kapelle handelt. Das seid Ihr bestimmt NICHT, denn Eure Texte sind sehr sozialkritisch und politisch und insgesamt ragt ABRISS WEST aus der Masse deutlich heraus. Wie seht Ihr Euch selbst?
Kristian: Ich hab noch nie Vergleiche mit anderen Bands angestrebt. Musik ist bekanntlich Geschmackssache, ob jemand unsere Musik mag oder nicht, ist / war uns aber auch schon immer ziemlich egal, da in erster Linie wir mit dem was wir machen zufrieden sein müssen .
Selina: Uns war immer wichtig keine flachen Texte zu machen und das in der Musik        auszudrücken was wir denken und fühlen. Da wir spielerisch komplett bei Null angefangen haben, waren der Umsetzung natürlich ziemlich schnell Grenzen gesetzt. Was aber unserer Kreativität keinen Abbruch tat.
Karsten: Aus dem anfänglichen Gegeigel entwickelte sich schnell ein Lebensinhalt, sodass wir dann das Restliche danach planten und andere Sachen hintenanstellten. Und da war es uns im Endeffekt egal ob wir bekannt werden oder nicht.
Hoff: Die Leute wollen zwar Spaß haben und schöne Dinge hören, aber es braucht auch das Wachrütteln. Bands die über Liebe und Ähnliches singen gibt`s genug und die machen ihre Sache auch gut – vielleicht wäre es damit einfacher, aber wir wollten nie das machen was andere tun, sondern das was uns gefällt und als richtig erscheint.

PLASTIC BOMB: Was pisst Euch so dermaßen an, dass Ihr derartige Texte schreibt?
Hoff: Das Leben – die Welt des schönen Scheins und das Darunter.
Selina: Das ständige Fürdummverkaufen der Medien- und Verkaufsstrategen, die Abstumpfung der Gesellschaft als Reaktion darauf und diese verdammten Menschenrechtsverletzungen, die täglich ohne Mitspracherecht und wirkungsvolle Verbote, „einfach so“ weiter passieren dürfen.
Jan: Wir machen uns Gedanken, verarbeiten sie und geben eben diese wieder. Im Umkehrschluss sollte man sich vielleicht eher fragen wieso so wenige Leute solche Inhalte haben.
Karsten: Das ist halt unsere Art diesen erlebten Frust zu kanalisieren. Was gibt`s da besseres als solche Musik. Für mich hat Punk, Hardcore oder wie man das auch immer nennen mag viel mit Wut / Energie positiv wie negativ zu tun. Was uns „anpisst“ sieht man, wenn man sich die Texte durchliest. Das heißt aber nicht, dass wir überall mit schmerzverzerrtem Gesicht herumlaufen und jedem unsere Meinung ins Gesicht brüllen (außer auf der Bühne :-) ) Ansonsten fühle ich mich sehr entspannt.
Kristian: Ich brauche nur mal im Vorrübergehen die Schlagzeilen der Bild zu lesen und wie viele Zombies das glauben was da steht, ab da bin ich schon angepisst. Der Karsten und Hoff kriegen das sehr gut hin die Eindrücke und Ideen die wir alle haben textlich zu verarbeiten.

PLASTIC BOMB: Vor 2 Jahren erschien auf der CD „Kontrollfunktion“ der Song „Kapitalismus tötet“. Seit der Finanzkrise Ende 2008 scheint Euer Song tatsächlich Wirklichkeit geworden worden zu sein. Auf der einen Seite steht die breite Masse, die anfängt eine ernsthafte Not im tagtäglichen Leben zu spüren, so dass eine effektiv erlebbare Existenzangst der Mittelschicht geschürt wird. Oder sollten es mehr Managertypen wie Merckle (Ratiopharm) geben, die freiwillig Selbstmord begehen, weil sie mit ihrer eigenen grenzenlosen Gier nicht mehr klar kommen?
Karsten: Da hast du Recht. Ich denke, dass die Leute endlich mal die Augen aufmachen sollten und wirklich hinschauen, was um sie herum überhaupt passiert. Da werden Pakete geschnürt um den verängstigten Bürger zu beruhigen. Viele klammern sich in solchen Zeiten an ihren dekadenten Wohlstand, und wir sitzen auf dem Goldtopf wie der Kobold, der mit Argusaugen um sich herum stiert. Dass der Fehler aber im System selbst liegt will sich kaum einer eingestehen. Dass das diejenigen, die etwas zu entscheiden haben bzw. am ganz großen Geld sind nicht machen, ist klar – da sie ja vom System profitieren. Vielleicht braucht es diese Existenzangst, um mal die Menschen zum Nachdenken zu bringen -  „Ist das überhaupt alles richtig, was wir machen?“. Aber diese Angst wird schnell zugeschüttet mit irgendwelchem Verdummungsfernsehen – „Holt mich hier raus“ – was für`n Scheiß ist dat denn nu wieder?  Bzw. sinnloser Aktionismus der Politik und Schönredereien, oder das Schüren von anderen Ängsten, siehe Terror, „Überfremdung“, etc.
Über Merckle kann ich nicht viel sagen. Hab erst von seiner Existenz bzw. aktuellen Nicht-Existenz  in der Bild-Zeitung erfahren, als ich im China-Imbiss auf die Nr. 53 süß-sauer wartete. Falls er im Testament hinterlassen hat, sein restliches Vermögen für gute Zwecke zu verteilen, war sein Ableben ja nicht ganz sinnlos.
Kristian: Ich bin für mehr Selbstmord bei Managern.
Selina: Dem Menschen wird bereits in frühen Entscheidungen eine egoistische, kleinkapitalistische Denkweise eingeredet. Er lernt zu seinem eigenen Gunsten, die Ziele und Vorstellungn anderer zu missachten.  
Hoff: Kapitalismus bringt einige Menschen dazu sich selbst aufzugeben. Ob diese Selbstaufgabe im Freitod oder in einer „Jeder ist sich selbst der Nächste“-Mentalität endet, ist nur eine Formsache. Das Festhalten an konservativen Zwängen und die Angst etwas am kapitalistischen System zu verändern, führt zwangsläufig zum Tod, ob geistig oder körperlich.

PLASTIC BOMB: Mit der „breiten Masse“ in unserem Land habt Ihr anscheinend auch nicht viel am Hut, oder? Oder wie deutet man ansonsten Euren Song „In Dummheit geht die Welt zu Grunde“?
Selina: Dass wir „mit der breiten Masse nicht viel am Hut haben“ ergibt sich schon aus der Musik die wir machen, aus der Szene in der wir uns bewegen, die sich eben darüber mit definiert und abgrenzt, aber auch über unsere Lebenseinstellung.
Kristian: Ich für meinen Teil will mit der breiten Masse gar nicht so oft in Berührung kommen. Das klappt zur Zeit ganz gut. Trotzdem sollte man immer offen auf Menschen zugehen, ich kenne auch viele von der so genannten Masse mit denen ich zu tun habe und die für mich vollkommen in Ordnung sind.  Ich möchte noch etwas aus dem Eulenspiegel anmerken: „Das einzige wozu eine Menschenmasse selbstständig fähig ist, ist die Lynchjustiz“.
Jan: Es geht in dem Song auch darum, dass Trends von den Medien gemacht werden und diese von jungen Leuten nachgeahmt werden und dazu führen, dass man sich und andere an ihnen misst.
Hoff: Wenn Lila heut` Mode ist und plötzlich das in allen Geschäften hängt und alle damit rumlaufen ob`s ihnen steht oder nicht, dann ist das dumm. Sollte man nicht sein eigenes Köpfchen einschalten und lieber als „uncool“ auffallen, als mit der Masse mitzuschwimmen und unterzugehen. Muss ich mir wirklich im Fernsehen anschauen, wie Idioten zuammen in einen Container gesperrt werden? Fragen die wohl jeder selbst beantworten kann.

PLASTIC BOMB: Ihr kommt aus Plauen. Könnt Ihr uns ein paar Hintergründe über das „Projekt Schuldenberg“ geben, welches Eure inhaltliche Heimat zu sein scheint. Was läuft in Eurem Haus, bzw. welche Gruppen sind dort aktiv?
Kristian: Das „Projekt Schuldenberg“ ist ein alternatives, selbstverwaltetes Haus im Vogtland.  Insgesamt wohnen und leben 11 Menschen dort, darunter Karsten, Selina und ich. Daneben engagieren sich eine Reihe von AktivistInnen im Umfeld des Hauses. Wir drei sind  außerdem noch im Vorstand des Trägervereins tätig. In den Kellergewölben befindet sich unsere Kneipe – die „Volxwirtschaft“ in der wir z.B. Mittwochs die „Vokü“ als Gourmetalternative anbieten. In unserem kleinen aber feinen Konziraum veranstalten wir 1-2 mal im Monat Konzerte mit zwischen 30 und 160 Besuchern. Dann haben wir noch einen Infoladen als Anlaufpunkt und eine kleine Antifagruppe (Plauen ist halt `ne Kleinstadt).
Selina: Außerdem gibt`s noch die Trommelgruppe, die sich immer Mittwochs trifft.  Jetzt im Januar feierten wir unseren 15. Hausgeburtstag, schaut einfach mal auf  www.projekt-schuldenberg.net oder in Plauen vorbei.

PLASTIC BOMB: Gibt es neben Euch noch andere Bands, die im „Projekt Schuldenberg“ aktiv sind?
Kristian: Also unsere Proberaumnachbarn sind aktuell CONTIENDA LIBERTAD, die aber in letzter Zeit eher selten anzutreffen sind, da Harry und Manu in Jena studieren und der Dome in einem Nachbardorf wohnt. Sie spielen ein Mischung aus politischen Hardcore und schnellem Punk. NAHKAMPFWAFFE KLAPPSPATEN  (ein Teil von ehemals Sucht&Elend und Totalreflexion) sind auch noch mit im Kellerproberaum des Schuldenbergs und gehen in die Richtung Deutschpunk.

PLASTIC BOMB:  Ich gebe mich jetzt Vorurteilen hin. „Im Osten gibt es doch nur Nazi-Skins“. Wie sieht die aktuelle Situation bei Euch aus? Werdet Ihr als Band oder persönlich aus der rechten Szene beobachtet oder bedroht?
Jan: Früher persönlich ja, aber als Band wurden wir noch nicht angegriffen.
Kristian: Wir als Band werden nicht bedroht und von Beobachtungen wissen wir nichts, kann also sein oder auch nicht. Der Schuldenberg selbst ist den Nazis schon eher ein Dorn im Auge also sind wir eher indirekt bedroht. Nazis haben wir auf alle Fälle zu Hauf.
Karsten: Eine latente Gefahr ist immer da. Als Bewohner /-in eines linken Hausprojektes, etc. kann man schnell zur Zielscheibe werden. Das ist aber in Plauen genauso wie im Ruhrpott, denke ich mal. Das es aber einen sichtbaren Aufschwung bei den Spacken, gerade im „Osten“ gibt, ist sehr bedenklich.
Selina: In der Vergangenheit kam es immer wieder zu Pöbeleien und Angriffen auch auf uns nahe stehende Personen.

PLASTIC BOMB: Ihr habt auf Eurer neuen CD den Song „Schöner Leben“, wo es um Nazi Klamotten Läden geht. Am Anfang des Songs ist ein gesprochenes Sampling aus den Nachrichten, wo es speziell um Läden bei Euch in Thüringen geht. Könnt Ihr da etwas mehr darüber berichten?
Kristian: Eigentlich haben wir in Sachsen selbst genug Naziläden, aber da wir hier im Drei-Ländereck (Bayern, Sachsen, Thüringen) zu Hause sind, ist ja Thüringen auch mit in der Nähe unseres Aktionsradiuses und da bot sich dieser Bericht als Sample an. In Plauen selbst haben wir den Clou, einen Laden für Oi-Klamotten und CD`s, der es aber nicht so genau nimmt, soll heißen, dass man hier auch mal unter`m Ladentisch den ein oder anderen Nazikrempel verkauft. In Reichenbach rund 25 km von Plauen gibt es den „Ragnarök“, nennt sich selbst „Nationaler Laden im Vogtland" und ist Umschlagspunkt von Nazimusik und Klamotten. Die Betreiber haben auch noch das „Drei-Mädel-Haus“ an der B92 zwischen Plauen und Elsterberg, wo einige Nazis gemeldet sind und auch sonst „nette“ Abende mit Liedermachern stattfinden. In Aue, auch nicht weit von Plauen, gibt es den Sonnentanzladen. In Gera gab es den „Aufruhr-Versand“, der vor ungefähr zwei Jahren gehackt wurde. Der Versand ist wieder online aber jetzt in der Nähe von Grevesmühlen bei Lübeck angesiedelt.  Der Backstreetnoise in Chemnitz zählt auch mit zu den aktiven Geschäften. Front Records aus Torgau sorgt schön für Nazimusik. Man könnte jetzt so weiter aufzählen, im Grunde haben wir mehr rechte Anlaufstätten und Veranstaltungen als uns lieb ist.
Hoff: Wie sich jeder denken kann wird das dort eingenommene Geld auch mit für Propagandazwecke genutzt, die getragenen Klamotten z.B. Thor Steinar werden in der Öffentlichkeit nicht als Gefahr wahrgenommen bieten der rechten Szene aber eine Basis für Zusammengehörigkeitsgefühl ohne sich bei Bürgern zu outen. Die Klamotten sehen sportlich aus und erwecken auch bei Nichtwissern Begehren. Wir hoffen das es noch mehr dieser Kampagnen wie die „Schöner leben ohne Naziläden“ geben wird, damit das auch in der „Ottonormalbevölkerung“ wahrgenommen wird.

PLASTIC BOMB: Selten hört man Texte von Punk Bands zum Thema „verfehlte Entwicklungspolitik“ wie in Eurem Song „Brot für die Welt“. Was hat Euch zu diesem Text bewegt?
Karsten: Wenn man sich für ein bestimmtes Thema interessiert, wie in diesem Fall und an der Oberfläche kratzt, erkennt man wieder die gleichen beschissenen Mechanismen in denen Menschen ausgebeutet werden, nur um die Bedürfnisse einer Minderheit die im Luxus schwelgt zu decken. Gleichzeitig schicken wir nur einen Notnagel zurück um unser Gewissen zu beruhigen und nicht mehr über unangenehme Sachen nachdenken zu müssen.
Selina: Die Fragen im Text sollte man sich selber beantworten als Denkanstoß, eben weil es ein Thema ist, dem kaum Beachtung geschenkt wird und doch den größten Teil der Menschheit außerhalb der Insel Deutschland existenziell betrifft.
Kristian: Wie sagt ein Sprichwort  „Gib jemanden einen Fisch und du ernährst ihn für einen Tag, zeig ihm wie man fischt und er wird nie wieder Hunger leiden“, die meisten Regierungen sind wohl eher für den Fisch.
Jan: Wir versuchen immer über den „Tellerrand“ Deutschland hinaus zu schauen und sprechen nicht nur Problematiken an die in meinem Bezirk, meiner Stadt oder in meinem Land passieren. Dieser Song ist da auch keine Ausnahme auf unseren Veröffentlichungen.

PLASTIC BOMB: Auf der CD-Beilage der aktuellen Ausgabe des PLASTIC BOMB ist Euer Song "Terrorkrieg" dabei. Was hat Euch zu dem Text bewogen?
Hoff: Das Rätsel um den 11.09. - wer war nun wirklich verantwortlich, warum wurde OBLaden nie gefunden, wieso kann man sich rosa Wollken  (Massenvernichtungswaffen im Irak) malen, ein Land in noch mehr Terror stürzen und ungestraft bleiben. Und warum ist fast immer das Pseudonym al-Qaida für irgendwelche Anschläge verantwortlich. Die Angst vor dem „Terror“ u.ä. wird gern ausgenutzt um schon lange geplante Einschnitte von persönlichen Grundrechten vorzunehmen. Seltsamerweise geschehen derartige Beschlüsse meist nach neuen Schreckensmeldungen, wo der Widerstand in der Bevölkerung aus Angst am geringsten ist.
Kristian: Ich finde, der Text spiegelt sehr gut die Beeinflussung der Medien und der Regierungen wieder.

PLASTIC BOMB: Eure Texte sind angepisst und gut ordentlich wütend. Aber nie destruktiv oder rein plakativ. „Aufstand“ erlebe ich als Mutmachenden positiven Text. Wie seht Ihr das?
Hoff: Ja, zu der Zeit als der Text geschrieben wurde, hatten wir das Gefühl, dass sehr viele Szeneleute nur noch konsumieren wollten. Der Text soll Lust und auch Mut machen mal wieder auf eine Demo zu gehen bzw. sich für eine Sache einzusetzen oder einzubringen.
Kristian: Aufstand ist eher kämpferisch. Das Lied an sich, ist eine Neuauflage von unserem ersten Album und wir hatten wieder Bock den Song live zu spielen, auch aufgrund des Textes und somit haben wir ihn neu arrangiert.

PLASTIC BOMB: Ihr habt alle Eure bisherigen CD`s konsequent selbst heraus gebracht. Was bedeutet Euch die Do-It-Yourself Ethik?
Kristian: Wir haben/hatten nie Lust lange zu warten bis sich jemand unserer annimmt. Also warum nicht selbst machen, eh gar nichts passiert und es macht auch noch Spaß. 
Karsten: Die Szene ist im gewissen Maße auch marktwirtschaftlich geregelt, also ist auch vieles eine Frage der richtigen Vermarktung. Schnell wird heute einiges zu diesem Zweck hochgepuscht und als die „neue Punkrocksensation“ gefeiert. Das wollten wir nie.Der Haken an der ganzen DIY-Sache ist, dass wenn du alles in Eigenregie machst, die Zahl derer, die du erreichen kannst, eher beschränkt ist. Außerdem kann sich meistens eine unbekanntere Band keine ausgefeilte Studioproduktion leisten, was die Qualität wieder herunterschraubt. Aber wozu hat man Freunde :-)
Hoff: Da nie jemand wirklich Interesse an unserer Musik hatte, hieß die Alternative stets: „Dann machen wir es halt selber!“ Und so ist „Schweigt nur weiter!“ bereits unsere 3. DIY-Platte geworden.

PLASTIC BOMB: Eure neue CD „Schweigt nur weiter“ ist musikalisch viel ausgereifter geworden. Die neuen Songs hören sich so an, als ob Ihr teilweise einen Gang herunter geschaltet habt, was aber dafür sorgt hat das Eure Songs viel derber und mit viel mehr Power rüber kommen. Auch die Gitarrenarbeit hört sich viel ausgereifter an. Wie seht Ihr selbst Eure musikalische Entwicklung?
Jan: Wir versuchen uns immer weiter zu entwickeln, das Problem ist eher, dass wir früher manche Sachen aufgrund unserer doch bescheidenen musikalischen Fähigkeiten nicht so spielen konnten wie wir wollten. Ich finde es auch besser, wenn der Text von der Stimmung mit der musikalischen Untermalung zusammenpasst. Deshalb haben wir auch keine festgelegte musikalische Schiene.
Hoff: Man sollte nie die Anfänge vergessen, auch wenn uns das Anhören unseres ersten Tapes schmunzeln lässt. Sich kontinuierlich etwas weiter zu entwickeln, macht doch eine Band erst interessant. Also versuchten wir bis zur nächsten Platte immer eine kleine Steigerung hinzubekommen. 

PLASTIC BOMB: Gibt es ein Thema zu dem Ihr hier noch etwas los werden möchtet?
Karsten: Ja, mehr Frauen an die Gitarre. Ich kenne nur eine persönlich und die ist Spitze!!

PLASTIC BOMB: Noch irgendwelche abschließende Bemerkungen?
Hoff: Mailorder, die Interesse an unseren Platten haben, meldet euch einfach!
Danke an unseren Ex-Sänger Mario und an Euch, für die Möglichkeit uns vor einem breiteren Publikum vorstellen zu dürfen.
Selina: Falls jemand mit uns Konzis veranstalten will, auch einfach melden.
Kristian: Ich grüße meine Erzeuger, den Jan vom „proud to be punk“ und die Leute von Wehrlos. Die wir nämlich auf unserer CD vergessen haben zu grüßen.
Und an alle anderen, bewegt euch zu unseren Konzerten und macht selbst was.
Karsten: Es hat sich wirklich gelohnt eine Band aufzumachen. Im Laufe der Jahre haben wir viele nette Menschen, Klubs und Bands kennengelernt und einige Freunde hinzugewonnen. Dafür noch vielen Dank an meine kleine Familie, die sich ABRISS WEST nennt.

Kontakt: Diese E-Mail-Adresse ist gegen Spambots geschützt! JavaScript muss aktiviert werden, damit sie angezeigt werden kann. / www.abrisswest.de
Discographie: Willkommen im Land der Freiheit (demo 2002)
Aufstand ( D.I.Y.  CD 2003)
Split LP mit Wehrlos (Vinyl 2004)
Kontrollfunktion ( D.I.Y. CD 2005)
Schweigt nur weiter  (D.I.Y. CD 2008)
Samplerbeiträge:
"Angepisst und laut", "Willst du beten oder rocken", "Im Zeichen des Pleitegeier 3", "Underground 2005", "Merlina 1 Meter 10 leben", "Haste mal `nen Euro", "Fight the system street compilation 2", "Open the cages" (Tierrechtssampler), "Saxonya punk history 2", dann noch bei der einen oder anderen Plastic Bomb und Taugenix Beilage vertreten, etc.
Interview: Helge Schreiber
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